Wem gehört Volvo? Die kurze Antwort Hinter dem Namen stecken zwei voneinander unabhängige Unternehmen. Volvo Cars, der Autohersteller aus Göteborg, gehört mehrheitlich der Zhejiang Geely Holding Group mit Sitz in Hangzhou. Die Volvo Group, die Lkw, Busse, Baumaschinen und Schiffsmotoren fertigt, ist dagegen eine börsennotierte Firma aus Schweden mit breit gestreutem Aktionärskreis. Wer fragt, wem […]
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Hinter dem Namen stecken zwei voneinander unabhängige Unternehmen. Volvo Cars, der Autohersteller aus Göteborg, gehört mehrheitlich der Zhejiang Geely Holding Group mit Sitz in Hangzhou. Die Volvo Group, die Lkw, Busse, Baumaschinen und Schiffsmotoren fertigt, ist dagegen eine börsennotierte Firma aus Schweden mit breit gestreutem Aktionärskreis. Wer fragt, wem gehört Volvo, muss also zuerst klären, von welchem Volvo die Rede ist.
Beide Unternehmen nutzen dasselbe Logo und denselben Namen, ohne sich wirtschaftlich zu gehören. Dafür gibt es eine eigene Konstruktion: Die Volvo Trademark Holding AB verwaltet die Markenrechte und gehört Volvo Cars und der Volvo Group je zur Hälfte. Keiner der beiden Eigentümer kann die Marke allein verkaufen oder umwidmen.
Volvo Cars, offiziell Volvo Car Group, entwickelt und baut Personenwagen. Hauptsitz, Designzentrum und das wichtigste Entwicklungswerk liegen in Göteborg, direkt am Wasser im Stadtteil Torslanda. Rund 43.000 Mitarbeiter arbeiten für den Autohersteller, etwa die Hälfte davon in Schweden. Die Pkw-Sparte verkauft pro Jahr etwa 700.000 bis 750.000 Autos.
Seit Oktober 2021 ist Volvo Cars selbst an der Börse Nasdaq Stockholm notiert. Private Anleger, Fonds und Pensionskassen können also Anteile kaufen. Die Kontrolle bleibt trotzdem eindeutig: Die Zhejiang Geely Holding Group hält weiterhin deutlich mehr als drei Viertel des Kapitals und damit die klare Stimmenmehrheit.
Die AB Volvo, international als Volvo Group bekannt, ist der ältere Teil des Hauses. Sie beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter und gehört zu den größten Lkw-Herstellern der Branche. Zur Volvo Group zählen unter anderem Renault Trucks, Mack Trucks, die japanische UD-Marke sowie Volvo Penta und Volvo Construction Equipment.
Eigentümer der Volvo Group sind ihre Aktionäre. Größter Einzelanteilseigner ist seit 2018 ausgerechnet die Geely Holding, die damals ein Aktienpaket von Cevian Capital übernahm. Das ist eine Beteiligung, keine Übernahme: Die Volvo Group bleibt ein schwedisch geführter Konzern mit eigenem Vorstand, eigener Strategie und eigener Bilanz.
Die Zhejiang Geely Holding Group wurde 1986 von Li Shufu gegründet, zunächst als Hersteller von Kühlschrankteilen, später von Motorrädern. Seit 1997 baut der Autokonzern Pkw. Heute gehören zur Geely Holding neben Volvo Cars unter anderem Lotus, Polestar, die Marke Lynk & Co sowie Anteile an Smart, Aston Martin und dem Lkw-Geschäft von Daimler Truck.
Für Volvo Cars bedeutet die Eigentümerstruktur vor allem Zugang zu Kapital und zu Entwicklungsplattformen, die sich auf mehrere Marken verteilen lassen. Die CMA-Plattform etwa wurde gemeinsam im europäischen Entwicklungszentrum in Göteborg konstruiert und trägt Fahrzeuge von Volvo, Lynk & Co und Polestar. Diese Arbeitsteilung senkt die Kosten je Produkt spürbar.
Am 28. März 2010 unterzeichneten die Ford Motor Company und die Zhejiang Geely Holding Group in Göteborg den Kaufvertrag. Der Preis lag bei rund 1,8 Milliarden US-Dollar, abgeschlossen wurde die Transaktion Anfang August 2010. Damit ging die schwedische Pkw-Sparte erstmals an ein Unternehmen aus China.
Ford hatte Volvo Cars 1999 für etwa 6,45 Milliarden US-Dollar von der AB Volvo gekauft. Der Verlust aus dem Weiterverkauf war also beträchtlich. Die Ford Motor Company brauchte nach der Finanzkrise Liquidität und trennte sich nacheinander von Aston Martin, Jaguar, Land Rover und zuletzt von der Marke aus Schweden.
Nach dem Börsengang hält die Geely Holding Group die Mehrheit über zwei Aktiengattungen. Die A-Aktien bringen mehr Stimmrechte als die frei gehandelten B-Aktien, weshalb der Stimmenanteil noch über dem Kapitalanteil liegt. Praktisch heißt das: Strategische Entscheidungen, Vorstandsbesetzungen und Dividendenpolitik laufen nicht gegen den Willen des Eigentümers aus China.
Juristisch ist Volvo Cars eine schwedische Aktiengesellschaft mit Sitz in Göteborg und Vorstand in Schweden. Wirtschaftlich gehört die Mehrheit einem Eigentümer aus China. Beides stimmt gleichzeitig, und genau daraus entsteht die Verwirrung bei der Frage, wem gehört Volvo.
Ein Vergleich hilft: Opel ist eine deutsche Firma in französischem Besitz, Skoda eine tschechische Marke im Volkswagen-Konzern. Eigentum und Identität fallen in der Branche seit Jahrzehnten auseinander. Entscheidend für den Charakter einer Marke ist, wo entwickelt, entworfen und entschieden wird.
Nein. Seit dem Börsengang 2021 liegt ein Teil der Anteile im Streubesitz, gehalten unter anderem von schwedischen Fonds und internationalen Investoren. Die Geely Holding ist Mehrheits-, aber nicht Alleineigentümer. Von einer vollständigen Übernahme kann man also nicht sprechen, von faktischer Kontrolle sehr wohl.
Sehr schwedisch, wenn man auf die Substanz schaut. Design und Fahrzeugentwicklung sitzen in Göteborg, die Motoren- und Komponentenfertigung in Skövde und Floby, das größte Werk steht in Torslanda. Mehr als 20.000 Mitarbeiter arbeiten in Schweden für die Marke, dazu kommen Zulieferer in der Region Västra Götaland.
Auch die Unternehmenskultur blieb erkennbar nordisch: flache Hierarchien, langer Vorlauf bei Entscheidungen, starker Fokus auf Sicherheit und Arbeitsschutz. Li Shufu hat Volvo Cars nach 2010 bewusst eigenständig geführt und das Management in Göteborg belassen. Diese Entscheidung gilt in der Branche bis heute als Hauptgrund dafür, dass die Marke nach der Übernahme wuchs statt zu schrumpfen.
| Zeitraum | Eigentümer der Pkw-Sparte | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1927 bis 1935 | SKF, Göteborg | Volvo startet als Tochter des Kugellagerherstellers |
| 1935 bis 1999 | AB Volvo | Eigenständiger Konzern mit Pkw und Lkw unter einem Dach |
| 1999 bis 2010 | Ford Motor Company | Teil der Premier Automotive Group |
| seit 2010 | Zhejiang Geely Holding Group | seit 2021 Mehrheitseigentümer der börsennotierten Volvo Car AB |
Gegründet wurde das Unternehmen am 14. April 1927, als der erste Wagen ÖV4 in Göteborg vom Band lief. Die Initiatoren waren der Volkswirt Assar Gabrielsson und der Ingenieur Gustaf Larson, beide zuvor bei SKF. Ihr Leitsatz, Autos würden von Menschen gefahren und müssten deshalb sicher sein, prägt die Marke bis heute.
Elf Jahre lang gehörte die schwedische Pkw-Sparte zum US-Autokonzern. In dieser Zeit entstanden Modelle wie der XC90 der ersten Generation, technisch teilte sich Volvo Plattformen mit Ford und Mazda. Der Zugriff auf Konzernteile senkte Kosten, verwässerte aber in Teilen das eigenständige Profil der Fahrzeuge.
Der Name stammt aus dem Lateinischen und
FirmenBILD Redaktion
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