Wer bei Aldi den Einkaufswagen füllt, kauft fast ausschließlich Namen, die es in keinem anderen Markt gibt. Milfina, Choceur, Ferrex, Snack Day. Genau das ist das Geschäftsmodell. Aldi Eigenmarken machen den Großteil des Sortiments aus, klassische Markenprodukte bleiben die Ausnahme. Das drückt den Preis, wirft aber jedes Mal dieselbe Frage auf: Wer produziert das eigentlich? […]
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Wer bei Aldi den Einkaufswagen füllt, kauft fast ausschließlich Namen, die es in keinem anderen Markt gibt. Milfina, Choceur, Ferrex, Snack Day. Genau das ist das Geschäftsmodell.
Aldi Eigenmarken machen den Großteil des Sortiments aus, klassische Markenprodukte bleiben die Ausnahme. Das drückt den Preis, wirft aber jedes Mal dieselbe Frage auf: Wer produziert das eigentlich?
Die Antwort ist selten ein einzelner Hersteller. Sie wechselt je nach Charge, Region und Vertragslaufzeit. Trotzdem lässt sich bei vielen Aldi Eigenmarken ziemlich genau einordnen, was man für sein Geld bekommt.
Der Begriff No-Name führt in die Irre. Jede Eigenmarke hat einen Namen, ein Logo, eine feste Verpackungslinie und ein definiertes Lastenheft. Der Unterschied zu Markenprodukten liegt nicht in der Namenlosigkeit, sondern im Eigentümer des Markennamens.
Bei Markenprodukten gehört der Name dem Produzenten. Bei Aldi Eigenmarken gehört er dem Discounter, der die Rezeptur vorgibt und die Produktion ausschreibt.
Das hat praktische Folgen. Ein Hersteller kann wechseln, ohne dass sich am Etikett etwas ändert. Verbraucher merken das manchmal am Geschmack, selten an der Verpackung.
Wer noch mit No-Name-Produkten aus den Achtzigern argumentiert, liegt beim heutigen Angebot daneben. Aldi Eigenmarken sind durchgestylte Handelsmarken mit eigener Preisarchitektur, von der Einstiegslinie bis zur Premiumstufe.
Aldi besitzt in Deutschland kaum eigene Produktionsstätten. Produziert wird bei Vertragspartnern, und darunter sind reichlich bekannte Markenhersteller, die ihre Linien auslasten wollen.
Für einen Hersteller ist das Rechnen simpel. Eine Abfüllanlage, die acht statt fünf Stunden läuft, verteilt ihre Fixkosten besser. Also produziert dasselbe Werk vormittags die eigene Marke und nachmittags die Handelsmarke.
Identisch sind beide Produkte deshalb nicht automatisch. Aldi gibt Rezepturen, Füllmengen und Qualitätsparameter selbst vor, und diese Vorgaben weichen oft vom Original des Markenherstellers ab. Mal nach unten, bei Kaffee oder Schokolade erstaunlich oft auch auf gleichem Niveau.
Offizielle Listen der Lieferanten gibt es nicht. Aldi und seine Partner halten Vertragsbeziehungen unter Verschluss, weil kein Markenhersteller gern öffentlich macht, dass er den Discounter beliefert.
Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs steht ein ovales Identitätskennzeichen auf der Packung, etwa DE BY 123 EG. Dieser Hinweis nennt den zugelassenen Betrieb, in dem das Produkt verarbeitet wurde.
Damit lässt sich bei Wurst, Käse oder Butter nachvollziehen, aus welchem Werk die Ware stammt. Steht auf der Eigenmarke dieselbe Nummer wie auf dem Markenprodukt daneben im Regal, kommt beides aus demselben Haus.
Ein Beweis für identischen Inhalt ist das nicht. Dieselbe Halle, andere Rezeptur, das kommt häufig vor.
Bei Non-Food hilft die Suche nach dem Importeur auf der Rückseite. Auch dort tauchen immer wieder Namen auf, die Verbraucher aus dem Fachhandel kennen.
Molkereien sind das beste Beispiel für die Doppelrolle. Große Genossenschaften und Konzerne wie Arla produzieren unter eigenem Markennamen und gleichzeitig für den Handel, weil die Milch ohnehin täglich verarbeitet werden muss.
Arla ist in Deutschland vor allem über Buko, Kaergarden und Skyr bekannt. Dass solche Unternehmen zusätzlich Handelsmarken abfüllen, gehört in der Branche zum Standardgeschäft und wird von Arla selbst nicht bestritten.
Für Verbraucher heißt das: In der Kategorie Milch, Joghurt und Butter ist der Unterschied zwischen Eigenmarke und Markenprodukt oft am kleinsten. Rohstoff, Technik und Hygienestandards sind in jeder Molkerei dieselben.
Der Preis trennt die beiden trotzdem deutlich. Ein Becher Naturjoghurt der Aldi Eigenmarken kostet regelmäßig 30 bis 50 Prozent weniger als das vergleichbare Markenprodukt, ohne dass sich im Zutatenverzeichnis viel tut.
Wo Arla oder andere Hersteller für den Discounter produzieren, bleibt Vertragssache. Das Identitätskennzeichen auf dem Deckel verrät aber zumindest das Werk.
Die Brüder Albrecht teilten das Unternehmen 1960 auf. Seitdem sind Aldi Nord und Aldi Süd rechtlich getrennte Gruppen mit eigenen Einkaufsabteilungen, eigenen Lieferanten und eigenen Markennamen.
Die Grenze verläuft grob entlang des Ruhrgebiets, der sogenannten Aldi-Äquator-Linie. Nördlich davon kauft man bei Aldi Nord, südlich bei Aldi Süd.
Deshalb finden sich für dieselbe Kategorie zwei verschiedene Eigenmarken. Wer umzieht, sucht plötzlich vergeblich nach dem gewohnten Namen, obwohl das Produkt im Regal steht.
Seit einigen Jahren gleichen Aldi Nord und Aldi Süd ihr Sortiment allerdings an. Einzelne Namen wandern über die Linie, Verpackungen werden vereinheitlicht, und der Unterschied zwischen beiden Häusern schrumpft.
Bei Aldi Nord stehen Milfina für Milchprodukte, Sun Snacks für Chips und Knabberkram, Rio d’Oro für Säfte und Ombia für Pflegeprodukte im Regal.
Dazu kommen Gut Bio für das Biosortiment, Mildessa bei Sauerkraut und Trader Joe’s, der Name, unter dem Aldi Nord auch seine US-Kette führt.
Im Non-Food-Bereich von Aldi Nord ist Ferrex die Werkzeugmarke, Watson und Up2fashion decken Textilien ab. Medion liefert seit Jahrzehnten die Technik.
Diese Aldi Eigenmarken sind in Norddeutschland so etabliert, dass viele Kunden sie für eigenständige Marken halten. Genau das ist der Zweck der Übung.
Aldi Süd setzt bei Milchprodukten auf Milsani, bei Chips auf Snack Day, bei Kosmetik auf Lacura und bei Werkzeug auf Workzone.
Die Schokoladenlinien Choceur und Moser Roth prägen das Süßwarenregal, Cucina steht für italienische Produkte, von Pasta bis Pizza.
Wer zwischen beiden Unternehmen vergleicht, merkt schnell: Die Produkte ähneln sich stärker als die Namen. Ein Kräuterquark von Aldi Nord und einer von Aldi Süd liegen qualitativ meist dicht beieinander.
Unterschiedlich bleiben die Lieferanten. Aldi Nord und Aldi Süd verhandeln getrennt, also können sich Rezeptur und Preis je nach Region unterscheiden.
Moser Roth ist der Name, der am häufigsten fällt, wenn jemand Aldi Eigenmarken verteidigt. Die Tafeln mit 70 oder 85 Prozent Kakao schneiden in Verkostungen regelmäßig ordentlich ab, der Preis liegt klar unter dem vergleichbarer Premiumtafeln.
Der Markenname geht auf eine historische deutsche Schokoladenfabrik zurück. Heute ist Moser Roth die Premiumlinie im Aldi-Süßwarenregal, erkennbar an der flachen Verpackung mit den einzeln verpackten Riegeln.
Choceur deckt die Stufe darunter ab: Schokoriegel, Nussmischungen, gefüllte Tafeln. Choceur zielt sichtbar auf die großen Markenprodukte im selben Segment, von der Nussschokolade bis zum Riegel mit Karamell.
Produziert wird für Moser Roth und Choceur bei europäischen Schokoladenherstellern, teils in Deutschland, teils in Belgien oder Österreich. Das Herkunftsland steht meist klein auf der Rückseite.
In der Kategorie Schokolade ist das Preis-Leistungs-Verhältnis der Aldi Eigenmarken besonders günstig. Kakaoanteil, Fettgehalt und Zutatenliste von Moser Roth halten dem Vergleich mit teureren Tafeln stand.
Choceur wiederum lebt vom Nachbau bekannter Klassiker. Wer das Original kennt, schmeckt den Unterschied, nennenswert stört er die wenigsten.
Funny Frisch ist keine Aldi Eigenmarke, sondern ein Markenprodukt der Intersnack-Gruppe. Die Chipstüten mit Chipsfrisch oder Ringli liegen bei Aldi nur zeitweise im Aktionsbereich.
Gegen Funny Frisch treten bei Aldi Sun Snacks und Snack Day an. Beide Linien kopieren die bekannten Geschmacksrichtungen, von Paprika bis Ungarisch, und kosten je nach Angebot die Hälfte.
Große Snackhersteller beliefern den Handel traditionell auch mit Handelsmarken, Funny Frisch gehört zu einem Konzern mit genau diesem Doppelgeschäft. Welche Tüte aus welchem Werk kommt, bleibt unveröffentlicht.
Im Blindtest trennen sich Marke und Eigenmarke bei Chips stärker als bei Milch. Würzung, Schnittstärke und Frittierfett unterscheiden sich spürbar, nicht immer zum Nachteil der Aldi Eigenmarken.
Preislich ist die Sache eindeutig. Wer regelmäßig Snacks kauft, spart mit der Eigenmarke pro Tüte oft einen Euro und mehr.
Außerhalb der Lebensmittel arbeitet Aldi mit Aktionsware. Diese Produkte stehen zwei Wochen in der Mittelgasse, danach verschwinden sie, und genau dafür existieren eigene Markennamen.
Der Vorteil für den Discounter: Ein wiedererkennbarer Name schafft Vertrauen, auch wenn der Hersteller hinter dem Akkuschrauber alle zwei Jahre wechselt.
Für Verbraucher heißt das, auf Garantiebedingungen und Ersatzteilversorgung zu achten. Bei Werkzeug und Gartengeräten entscheidet das stärker über ein gutes Geschäft als der reine Preis.
Ferrex ist die Werkzeugmarke von Aldi Nord, in Österreich bei Hofer ebenfalls präsent. Unter dem Namen laufen Akkuschrauber, Winkelschleifer, Kompressoren, Rasentrimmer und Heckenscheren.
Ferrex-Geräte stammen überwiegend aus asiatischer Fertigung, importiert und vertrieben über europäische Handelspartner. Das erklärt die Preise, die häufig bei einem Drittel vergleichbarer Fachhandelsgeräte liegen.
Für gelegentliche Heimwerkerarbeiten reicht das Niveau. Wer täglich bohrt, merkt die Grenzen bei Akkulaufzeit, Drehmoment und Verarbeitung der Gehäuse.
Aldi Süd führt mit Workzone eine vergleichbare Linie. Auch dort gilt: dreijährige Garantie, solide Grundausstattung, kein Profiwerkzeug.
All Seasons steht bei Aldi für Artikel rund um Garten, Terrasse und Outdoor, die mit der Jahreszeit kommen und gehen. Der Name sagt es ziemlich direkt.
Unter All Seasons laufen je nach Saison Dinge wie Gartenmöbel, Pflanzgefäße, Abdeckhauben oder Zubehör für den Außenbereich. Das Sortiment ist nicht dauerhaft gelistet.
Weil All Seasons zum Aktionsgeschäft gehört, lohnt sich schnelles Zugreifen. Was ausverkauft ist, kommt meist erst in der nächsten Saison zurück, oft in leicht veränderter Ausführung.
Der Umtausch funktioniert bei All Seasons wie bei allen Aldi Eigenmarken im Non-Food: Kassenbon aufheben, dann ist die Reklamation unkompliziert.
Warentests zeigen seit Jahren dasselbe Muster. Eigenmarken landen regelmäßig im oberen Mittelfeld, gelegentlich auf dem ersten Platz, und sie tun das bei deutlich niedrigerem Preis.
Entscheidend ist die Kategorie. Bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Milch, Reis oder Nudeln ist der Unterschied zum Markenprodukt minimal, weil die Rohstoffe aus denselben Mühlen und Molkereien kommen.
Bei stark verarbeiteten Lebensmitteln wird es heikler. Fertiggerichte, Pizza, Wurst und Aufstriche leben von Rezeptur und Fleischanteil, und dort sparen Eigenmarken mitunter an Stellen, die man schmeckt.
Ein Blick auf die Zutatenliste klärt mehr als jede Markentreue. Prozentangaben für die wertgebende Zutat stehen dort, und sie lassen sich zwischen Eigenmarke und Original direkt vergleichen.
Wer links im Regal zum Markenprodukt greift und rechts die Eigenmarke liegen lässt, zahlt häufig für Werbung statt für Inhalt. Umgekehrt gilt: Nicht alles, was günstig ist, ist auch ein gutes Produkt.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Discounter-Produkten bleibt in Summe stark. Nur eben nicht automatisch in jeder Kategorie.
Aldi listet Markenprodukte regelmäßig aus, meist nach Preisverhandlungen. Wenn ein Markenhersteller die Abgabepreise anhebt und der Discounter nicht mitgeht, verschwinden die Artikel aus dem Regal.
Solche Konflikte treffen in der Vergangenheit immer wieder bekannte Hersteller aus dem Süßwaren-, Getränke- und Markenartikelbereich. Nach Wochen oder Monaten folgt in vielen Fällen eine Einigung, und die Ware kehrt zurück.
Dauerhaft fliegen Produkte raus, wenn der Abverkauf nicht stimmt. Aldi führt pro Kategorie wenige Artikel, also muss jede Position ihren Regalplatz verdienen.
Der Discounter hat dabei den längeren Hebel, weil er die Lücke sofort mit Aldi Eigenmarken schließen kann. Fehlt die Marke, steht an ihrer Stelle das Pendant aus dem eigenen Haus.
Für Verbraucher ist das ärgerlich, wenn ein Lieblingsprodukt verschwindet. Für Aldi ist es ein kalkuliertes Risiko, das das Geschäftsmodell sogar stützt.
Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Namen und ordnet sie Aldi Nord und Aldi Süd zu. Durch die Sortimentsangleichung tauchen einzelne Marken inzwischen in beiden Häusern auf.
| Kategorie | Aldi Nord | Aldi Süd |
|---|---|---|
| Milchprodukte | Milfina | Milsani |
| Schokolade | Choceur, Moser Roth | Choceur, Moser Roth |
| Chips und Snacks | Sun Snacks | Snack Day |
| Bio-Sortiment | Gut Bio | Gut Bio |
| Säfte | Rio d’Oro | River, Rio d’Oro |
| Kosmetik und Pflege | Ombia | Lacura |
| Werkzeug | Ferrex | Workzone |
| Garten und Saison | All Seasons | Gardenline, All Seasons |
| Technik | Medion | Medion |
Diese Liste ist eine Momentaufnahme. Namen werden zusammengelegt, Verpackungen überarbeitet, einzelne Linien laufen aus.
Wer wissen will, ob ein bestimmter Artikel zu den Aldi Eigenmarken gehört, prüft schlicht, ob der Markenname außerhalb von Aldi auftaucht. Findet man ihn in keinem anderen Markt, ist die Sache klar.
Am meisten Geld sparen Haushalte bei Produkten, die sie in Mengen kaufen. Milch, Butter, Käse, Mehl, Nudeln, Putzmittel, Windeln. Hier summieren sich zehn oder zwanzig Cent pro Packung über das Jahr spürbar.
Bei Kaffee, Schokolade und Tiefkühlgemüse ist das Preis-Leistungs-Verhältnis der Aldi Eigenmarken ebenfalls gut, weil die Hersteller dieselben Rohstoffe verarbeiten wie für ihre eigenen Marken.
Zurückhaltender darf man bei Geschmacksklassikern sein. Wer eine bestimmte Wurst, einen bestimmten Senf oder eine bestimmte Pizza seit Jahren kennt, wird bei der Kopie selten ganz zufrieden.
Ein pragmatischer Weg: einmal beide Varianten kaufen und direkt vergleichen. Überzeugt die Eigenmarke, bleibt sie im Wagen, überzeugt sie nicht, kostet der Test wenige Euro.
Bei Non-Food lohnt der Vergleich mit dem Fachhandel. Ein Ferrex-Gerät für 40 Euro ist ein gutes Angebot, wenn es zehnmal im Jahr zum Einsatz kommt, nicht aber auf der Baustelle.
Unterm Strich sind Aldi Eigenmarken kein Kompromiss, sondern eine eigene Produktkategorie mit eigener Logik. Sie leben davon, dass bekannte Hersteller im Hintergrund produzieren und der Markenname kein Geld kostet.
Alles andere entscheidet der eigene Geschmack. Und ein kurzer Blick auf die Zutatenliste.
FirmenBILD Redaktion
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