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Joel Burghardt: „78 Prozent des Mittelstands wissen, dass KI wichtig ist. Fast die Hälfte tut trotzdem nichts."

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  • Vor 1 Tag veröffentlicht

Der KI-Spezialist und Gründer von Lightweb Media sitzt mitten in einer Unternehmensgruppe mit 80 Beteiligungen und sieht täglich, warum deutsche Unternehmen beim Thema KI trotz besseren Wissens nicht vom Fleck kommen.

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Die Zahlen sind eigentlich eindeutig. Im Mai 2026 setzen bereits 54,5 Prozent der deutschen Unternehmen KI ein, nach 40,9 Prozent ein Jahr zuvor. Der Druck wächst, das Bewusstsein auch. 78 Prozent der deutschen Industrie messen KI eine sehr große oder eher große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit zu. Gleichzeitig sehen sich 46 Prozent beim eigenen KI-Einsatz als Nachzügler.

Das ist die Lücke, über die Joel Burghardt täglich nachdenkt.

Joel Burghardt ist Gründer von Lightweb Media und DRIVE Ventures und arbeitet als KI-Verantwortlicher für eine Unternehmensgruppe mit 80 Beteiligungen und 250 Mitarbeitern. Er ist nicht derjenige, der Studien liest und Strategiepapiere schreibt. Er ist derjenige, der danach in die Unternehmen geht und es umsetzt. Was er dort sieht, deckt sich mit den Zahlen. Und macht ihm trotzdem Sorgen.

Firmenbild.com: Herr Burghardt, die Zahlen zeigen, dass KI in deutschen Unternehmen ankommt. Warum spricht man trotzdem noch immer vom Rückstand?

„Weil Einführung und Transformation zwei verschiedene Dinge sind. Viele Unternehmen haben heute ChatGPT auf dem Rechner ihrer Mitarbeiter. Das ist keine Transformation. Das ist ein Tool. Was fehlt, ist der Schritt danach: eigene Prozesse wirklich anders zu denken und dann auch anders zu bauen.“

Aktuelle Erhebungen belegen genau das: Nur 15 Prozent der deutschen Unternehmen setzen KI so umfassend ein, dass daraus neue Produkte, Geschäftsmodelle oder Arbeitsabläufe entstehen. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Anteil sogar gesunken.

„Das überrascht mich nicht. Der Unterschied zwischen einem Unternehmen, das KI nutzt, und einem, das KI wirklich einsetzt, ist riesig. Und dieser Unterschied entscheidet in drei Jahren darüber, wer noch wettbewerbsfähig ist.“

Firmenbild.com: Wo hakt es in der Praxis konkret?

„An drei Stellen gleichzeitig. Erstens: Führungskräfte, die das Thema delegieren, anstatt es zu verstehen. Zweitens: Mitarbeiter, die KI als Bedrohung sehen, anstatt als Werkzeug. Und drittens: Unternehmen, die auf fertige Lösungen warten, anstatt ihre eigenen Prozesse als Ausgangspunkt zu nehmen.“

„Das Problem ist nicht die Technologie. Die Technologie ist verfügbar. Das Problem ist, dass niemand die Brücke baut zwischen dem, was KI kann, und dem, was ein konkretes Unternehmen damit machen soll.“

Firmenbild.com: Sie bauen diese Brücke gerade für eine Gruppe mit 80 Beteiligungen. Was passiert dort konkret?

„Wir bauen interne Tools, die auf die tatsächlichen Prozesse der einzelnen Einheiten zugeschnitten sind. Keine Standardlösung von der Stange. Kein weiteres Abo-Tool, das 70 Prozent der Anforderungen erfüllt und monatlich Geld kostet. Sondern Systeme, die genau das machen, was gebraucht wird.“

„Ein Beispiel: Due-Diligence-Prozesse, die früher Wochen gedauert haben, laufen heute automatisiert in Stunden. Softwareprototypen, die früher Monate an Abstimmung gebraucht haben, entstehen heute in Tagen. Das sind keine Pilotprojekte. Das ist produktiver Betrieb.“

Firmenbild.com: Wie gehen Sie mit Mitarbeitern um, die nicht mitziehen wollen?

„Sie können niemanden zwingen, hungrig zu sein. Was Sie tun können, ist zeigen, dass es einfacher ist als gedacht. Ich gehe in Teams, zeige konkrete Workflows, lasse Leute selbst ausprobieren. Wenn jemand einmal erlebt hat, wie eine Aufgabe, die früher zwei Stunden gedauert hat, in zehn Minuten erledigt ist, ändert sich die Haltung schnell.“

„Das Schwierige ist die Gruppe in der Mitte. Nicht die Begeisterten, nicht die Verweigerer. Sondern die, die nicken und dann weitermachen wie bisher. Die sind die eigentliche Herausforderung.“

Firmenbild.com: Was muss ein Unternehmen heute konkret tun, um nicht in zwei Jahren aufzuwachen und festzustellen, dass es zu spät ist?

„Aufhören, auf die perfekte Strategie zu warten. Einen Prozess nehmen, der heute zu viel Zeit kostet. Fragen: Was passiert hier eigentlich, welche Schritte wiederholen sich? Und dann eine Lösung bauen. Nicht kaufen. Bauen.“

„Wer das einmal gemacht hat, denkt danach anders. Der nächste Prozess geht schneller. Dann der übernächste. So entsteht echte Transformation. Nicht durch einen großen Strategieworkshop, sondern durch viele kleine operative Entscheidungen.“

Firmenbild.com: Wie viel Zeit bleibt noch?

„Weniger als die meisten denken. Weltweit entfällt der Großteil der KI-getriebenen Wertschöpfung auf eine kleine Gruppe von Unternehmen. Diese Lücke wird größer, nicht kleiner. Wer heute noch zuschaut, kämpft in zwei Jahren gegen Wettbewerber, die ihre Prozesse bereits vollständig anders aufgebaut haben.“

„Und das Fatale ist: Man merkt es nicht sofort. Erst wenn Angebote langsamer kommen, Projekte teurer werden und Kunden anfangen, woanders zu schauen. Dann ist der Rückstand schon da.“


Zur Person: Joel Burghardt ist Gründer von Lightweb Media und DRIVE Ventures. Mit asps.ai hat er ein System entwickelt, das Softwareentwicklung von Grund auf neu denkt. Unternehmen setzen auf ihn, wenn KI nicht nur diskutiert, sondern umgesetzt werden soll.

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