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„Wer gründet, entscheidet in den ersten Wochen über die nächsten zehn Jahre" – Interview mit Steuerberater Christian Gernoth

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  • Vor 6 Minuten veröffentlicht

Wer ein Unternehmen gründet, legt in den ersten Wochen wichtige Weichen für Steuerlast, Haftung und spätere Nachfolge. Eine Gründung ist damit weit mehr als der Gang zum Notar. Wir haben mit Christian Gernoth gesprochen.

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Als Experte für Unternehmensgründung in Deggendorf begleitet er gemeinsam mit dem Team von Gernoth an den Standorten Regen, Zwiesel und Deggendorf regelmäßig Gründerinnen und Gründer aus Handwerk, Heilberufen, Hotellerie, Industrie und Landwirtschaft.

FirmenBILD: Herr Gernoth, was unterscheidet eine gut vorbereitete Gründung von einer, die später Probleme macht?

Christian Gernoth: In der Praxis sehen wir zwei Muster. Das erste ist die Gründung aus dem Bauch heraus. Rechtsform schnell gewählt, Steuerarten kaum durchdacht, keine belastbare Planung. Das zweite Muster nimmt sich ein paar Wochen Zeit und beantwortet drei Fragen sauber. Welche Rechtsform passt zu Haftung und Steuerlast? Wie sieht die Finanzierung über die ersten Monate aus? Welche Prozesse für Buchhaltung und Belege stehen ab Tag eins? Wer diese drei Punkte klärt, spart sich später viel Nacharbeit und oft auch Geld.

FirmenBILD: Welche Rechtsform empfehlen Sie Gründern in der Region?

Christian Gernoth: Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht, und wer sie ausspricht, macht es sich zu einfach. Entscheidend sind Haftungsrisiko, geplanter Gewinn, Zahl der Gesellschafter und die Frage, ob später jemand einsteigen oder das Unternehmen übernehmen soll.

Zur Orientierung ordnen wir im Erstgespräch häufig entlang dieser Kriterien ein:

  • Einzelunternehmen sind einfach zu starten, bringen aber volle persönliche Haftung mit sich und eignen sich für kleine Vorhaben mit überschaubarem Risiko.
  • Eine GbR ist sinnvoll bei zwei oder mehr Partnern mit begrenztem Risiko, erfordert aber einen sauberen Gesellschaftsvertrag.
  • GmbH oder UG bieten Haftungsbeschränkung und klare Strukturen, dafür höheren Aufwand bei Gründung, Buchhaltung und Jahresabschluss.
  • Die GmbH & Co. KG ist interessant, wenn Haftungsschutz und flexible Gewinnverteilung zusammenkommen sollen.

Wichtig ist, dass die Rechtsform kein reines Steuerthema ist. Sie ist auch eine Frage des Gesellschaftsrechts und der späteren Nachfolge. Deshalb schauen wir immer beide Perspektiven zusammen an.

FirmenBILD: Welche Fehler sehen Sie bei jungen Unternehmen in Deggendorf und Umgebung besonders oft?

Christian Gernoth: Drei Punkte tauchen regelmäßig auf. Erstens werden private und geschäftliche Konten vermischt. Das macht die Buchhaltung teuer und im Zweifel die Betriebsprüfung unangenehm. Zweitens wird die Umsatzsteuer unterschätzt. Wer die Kleinunternehmerregelung wählt, sollte wissen, was das für Rechnungen an Geschäftskunden bedeutet. Drittens werden Verträge aus dem Internet kopiert. Ein Gesellschaftsvertrag oder ein Mietvertrag über Betriebsräume ist kein Formular, sondern ein Instrument, das im Ernstfall Geld und Nerven spart.

FirmenBILD: Wie wichtig ist Digitalisierung von Anfang an?

Christian Gernoth: Sehr wichtig, aber nicht als Selbstzweck. Wer von Tag eins mit digitalen Belegen, einem sauberen Kassensystem und einer Schnittstelle zu uns arbeitet, spart im Monatsabschluss Zeit und bekommt schneller belastbare Zahlen. Sie sehen als Gründer früh, ob die Kalkulation trägt, statt erst nach dem Jahresabschluss zu erfahren, dass die Marge nicht gepasst hat. Wir richten das mit unseren Mandanten in der Regel früh nach der Gründung ein. Auch Themen wie New Work und der Einsatz von KI spielen bei uns dabei eine wachsende Rolle.

FirmenBILD: Sie betreuen viele Branchen. Gibt es Besonderheiten, die Gründer oft übersehen?

Christian Gernoth: Ja, jede Branche hat ihre stillen Stolpersteine. Handwerksbetriebe müssen früh an Rücklagen für Maschinen und Fahrzeuge denken. Hotellerie und Gastronomie haben strenge Kassenvorgaben und Meldepflichten. Heilberufe wie Ärzte, Zahnärzte oder Apotheker bewegen sich zwischen freiberuflicher Tätigkeit und gewerblichen Anteilen, was steuerlich sauber getrennt werden muss. Gerade bei Apotheken haben wir über die Jahre eine besondere Expertise aufgebaut. In der Landwirtschaft spielen Sonderregeln bei Umsatz- und Einkommensteuer eine Rolle. Wer branchenspezifisch berät, erkennt diese Punkte in der Regel früh.

FirmenBILD: Was raten Sie jemandem, der in den nächsten Monaten in Niederbayern gründen will?

Christian Gernoth: Drei Dinge. Vereinbaren Sie ein Erstgespräch, bevor die Rechtsform steht, nicht danach. Bringen Sie zu diesem Termin eine ehrliche Zahlenskizze mit, also erwartete Umsätze, geplante Investitionen und Finanzierungsbedarf. Und klären Sie früh, wer Sie langfristig begleitet. Steuerberatung, rechtliche Fragen und betriebswirtschaftliches Consulting greifen bei einer Gründung ineinander. Wenn diese drei Bereiche aus einer Hand kommen, entstehen weniger Reibungsverluste.

FirmenBILD: Herr Gernoth, vielen Dank für das Gespräch.

Christian Gernoth: Sehr gerne.

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