Verfasst von FirmenBILD Redaktion

Deutsche Glasfaser am Rande der Pleite? Aktuelle Lage, Hintergründe und Folgen

  • Unternehmenslandschaft
  • Vor 4 Wochen veröffentlicht

Die Deutsche Glasfaser galt lange als Hoffnungsträger beim Breitbandausbau in Deutschland. Doch in der Branche mehren sich Anzeichen für wirtschaftliche Schwierigkeiten – manche Beobachter fragen bereits, ob dem Glasfaser-Pionier eine Pleite droht.

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Dieser Artikel analysiert die aktuelle Lage der Deutschen Glasfaser, beleuchtet Ursachen für mögliche finanzielle Engpässe und diskutiert die Auswirkungen einer Insolvenz. Zudem wird der Vergleich mit Wettbewerbern gezogen und ein Ausblick auf die Zukunft des deutschen Glasfasermarktes gegeben.

UPDATE MÄRZ 2025 (Stand 27.03.2025):
Bis März 2025 zeigen sich bei der Deutschen Glasfaser keine gravierenden Veränderungen der finanziellen Situation. Trotz anhaltender Spekulationen rund um mögliche Insolvenzrisiken gibt es derzeit keine Hinweise auf eine tatsächliche Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens. Kürzlich wurden sogar frische Finanzmittel aufgenommen und strategische Anpassungen beim Ausbau vorgenommen, zudem bestehen Kooperationen, beispielsweise mit Vodafone. Dennoch sorgen gelegentliche Baustopps und regionale Verzögerungen weiterhin für Unsicherheit. Die Deutsche Glasfaser weist Insolvenzgerüchte jedoch klar zurück.

Aktuelle Lage der Deutschen Glasfaser

Die Deutsche Glasfaser hat in den letzten Jahren ein enormes Wachstum hingelegt. Das 2011 gegründete Unternehmen fokussiert sich vor allem auf den Glasfaserausbau in ländlichen und suburbanen Gebieten und hat damit eine Lücke gefüllt, die große Telekommunikationsanbieter lange vernachlässigten​. Unterstützt von finanzstarken Investoren – seit 2020 gehören der schwedische Infrastrukturfonds EQT und der kanadische Pensionsfonds OMERS zu den Eigentümern – hat Deutsche Glasfaser Milliarden in den Ausbau investiert​.

Aktuell verfügt das Unternehmen über rund 2 Millionen verlegte FTTH-Anschlüsse (Homes Passed) und damit eines der größten Glasfasernetze Deutschlands​. Bis Ende 2025 soll diese Zahl auf 4 Millionen steigen, langfristig sind 6 Millionen angeschlossene Haushalte als Ziel ausgegeben​. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom versorgt derzeit etwa 8,2 Millionen Haushalte mit einem FTTH-Anschluss​ – Deutsche Glasfaser ist also bereits jetzt der zweitgrößte Glasfaser-Netzbetreiber in Deutschland​. Trotz des rasanten Ausbaus ist die finanzielle Situation angespannt.

Jüngste veröffentlichte Konzernzahlen zeigen, dass Deutsche Glasfaser operativ noch tief in den roten Zahlen steckt. Im Geschäftsjahr 2023 erzielte das Unternehmen ein negatives Betriebsergebnis (EBIT) von rund 196 Millionen Euro; unterm Strich stand ein Jahresverlust von -389 Millionen Euro​. Im Vorjahr 2022 fiel der Verlust mit -1,008 Milliarden Euro sogar noch drastischer aus​.

Zwar konnte das Minus 2023 etwas reduziert werden, doch weiterhin übersteigen Ausbauaufwendungen, Abschreibungen und Zinskosten die Erlöse deutlich. Insbesondere die hohe Zinsbelastung durch Fremdfinanzierung drückt auf das Ergebnis: Allein 2023 fielen über 271 Millionen Euro an Zinsaufwendungen an​. Diese hohen Verluste führten dazu, dass das Unternehmen bisher auf externe Finanzierungsquellen angewiesen bleibt.

Tatsächlich hat sich Deutsche Glasfaser mit Hilfe ihrer Eigentümer und Banken eine der größten Infrastruktur-Finanzierungen im Telekomsektor gesichert. Insgesamt stehen dem Unternehmen rund 7 Milliarden Euro an Kreditlinien zur Verfügung, mit Fälligkeit 2031​. Noch im September 2024 wurde eine zusätzliche Finanzierung über 1,25 Milliarden Euro bekanntgegeben, um den weiteren Ausbau zu stemmen​. Ergänzt wird diese Fremdfinanzierung durch das Eigenkapital von EQT und OMERS sowie Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB). So gewährte die EIB jüngst 350 Millionen Euro, um weitere 460.000 Anschlüsse in ländlichen Regionen auszubauen​. Die ambitionierten Ausbauziele – bis Ende 2026 über 3 Millionen Haushalte zu erreichen und langfristig bis zu 6 Millionen​ – erfordern also enorme Kapitalmittel.

Warum gerät Deutsche Glasfaser trotz dieser Finanzspritzen in die Kritik? Die Antwort liegt in der Kombination aus hohem Investitionsbedarf, verzögerten Einnahmen und sich verschlechternden Rahmenbedingungen. Bisher konnte das Unternehmen zwar viel Netz (>2 Mio. Anschlüsse) bauen, jedoch hinken die Kundenzahlen hinterher. Experten schätzen, dass von den bereits technisch erschlossenen Haushalten deutschlandweit nur etwa 50 % tatsächlich einen aktiven Glasfaseranschluss nutzen​. Die Deutsche Glasfaser selbst kommuniziert keine offiziellen Kundenzahlen, doch branchenweit sind viele Anschlüsse ungenutzt, was die Einnahmen deutlich schmälert. So prognostizierte der Branchenverband VATM für Ende 2023 etwa 16 Mio. Haushalte mit Glasfaser-Zugang, aber nur 4 Mio. zahlende Kunden – ein deutlicher Gap zwischen Angebot und Nachfrage​. Diese Marktrealität schlägt direkt auf die Wirtschaftlichkeit von Deutsche Glasfaser durch.

Das Unternehmen hat bislang keinen Insolvenzantrag gestellt, aber die Gerüchte um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit (Pleite) entstehen nicht von ungefähr: hohe Verluste, enormer Schuldenstand und unsichere Marktaussichten alarmieren Beobachter und Kreditgeber. Im Jahr 2023 kam es zudem zu personellen Veränderungen im Top-Management, die Spekulationen befeuerten – so verließ etwa der Finanzchef (CFO) Jens Müller Anfang 2023 überraschend das Unternehmen​. Offiziell kommuniziert Deutsche Glasfaser jedoch Zuversicht: Man sei einer der „finanziell stärksten Betreiber im Markt“ dank der Investorengelder​, und der Ausbau gehe weiter. Nichtsdestotrotz lohnt der Blick auf die Gründe, warum die Deutsche Glasfaser und andere Unternehmen der Branche derzeit wirtschaftlich unter Druck stehen.

Gründe für wirtschaftliche Schwierigkeiten

Die Herausforderungen für Deutsche Glasfaser sind vielfältig und treffen in ähnlicher Form auch andere Glasfaserunternehmen in Deutschland. Im Wesentlichen lassen sich vier Kategorien nennen: Marktbedingungen und Konkurrenz, Investitionskosten und Finanzierung, politisch-regulatorische Rahmen sowie technische/operative Schwierigkeiten beim Glasfaserausbau.

Marktbedingungen und Konkurrenzdruck: Noch vor wenigen Jahren herrschte Goldgräberstimmung im deutschen Glasfasermarkt. Zahlreiche neue Anbieter drängten mit Unterstützung von Investoren in den Markt, angelockt von politischen Ausbauzielen und günstigen Kreditzinsen​. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Der Wettbewerb wird rauer, die Finanzierung schwieriger – die Euphorie ist ernüchterter Realität gewichen​. Ein großes Problem ist der sogenannte Überbau: Oft verlegen mehrere Anbieter parallel Glasfaserkabel in derselben Region. Vor allem kleinere Betreiber wie Deutsche Glasfaser beklagen, dass z.B. die Telekom in Gebieten ausbaut, in denen bereits ein alternativer Anbieter Glasfaser verlegt hat​. Dadurch teilen sich Wettbewerber denselben potenziellen Kundenstamm, was die Kundenzahlen pro Netz reduziert. Für die Deutsche Glasfaser bedeutet Überbau, dass der mühsam erschlossene Ort XY eventuell später nur halb so viele zahlende Kunden bringt, weil ein Konkurrent ebenfalls Anschlüsse anbietet – die Investition rechnet sich also schlechter. Gleichzeitig verzögert Doppelarbeit auch den bundesweiten Ausbau, weil Ressourcen ineffizient eingesetzt werden​. Konkurrenzdruck entsteht zudem durch etablierte Player: Die Telekom erhöht ihr Ausbautempo rasant, Vodafone startet mit einem Milliarden-Joint-Venture ins FTTH-Geschäft, und regionale Stadtwerke-Netze holen ebenfalls Kunden ab. Deutsche Glasfaser steht somit in harter Konkurrenz um jeden Neukunden und muss gleichzeitig ihr Netz schnell füllen, um die Kosten zu decken.

Hohe Investitionskosten und Finanzierungsprobleme: Der Glasfaserausbau ist extrem kapitalintensiv. Kilometerweise Tiefbauarbeiten, teure Materialien wie Glasfaserkabel, aktive Netztechnik und Hausanschlüsse – all das verursacht hohe Vorlaufkosten. Deutsche Glasfaser investiert pro angeschlossenem Haushalt je nach Region mehrere tausend Euro. Diese Summe muss zunächst vorfinanziert werden, in der Hoffnung, dass der Kunde über viele Jahre Gebühren zahlt. In der aktuellen Lage kommen zwei ungünstige Entwicklungen zusammen: steigende Kosten und teurere Kredite. Die Inflation hat die Baukosten (Tiefbau, Baumaterial) deutlich erhöht​. So sind etwa die Preise für Baustoffe und für Subunternehmerleistungen seit 2022 spürbar gestiegen. Gleichzeitig haben die Zentralbanken die Zinsen stark angehoben, wodurch die Finanzierung von Projekten viel teurer wird​. Deutsche Glasfaser spürt diesen Effekt direkt – die Zinslast auf ihre Kredite ist hoch und eine Refinanzierung am Kapitalmarkt wäre heute weitaus kostspieliger als noch vor wenigen Jahren. Das Unternehmen hatte zwar das Glück, seine große Finanzierung über 5,75 Mrd. € zu niedrigen Konditionen zu sichern, doch neue Kapitalbeschaffung wird anspruchsvoller​. Zudem stehen in den kommenden Jahren Refinanzierungen an, falls der Ausbau weiter so kapitalintensiv bleibt. Verzögerte Einnahmen verschärfen das Problem: Viele Haushalte nutzen ihre Glasfaseranschlüsse (noch) nicht aktiv, sodass die Umsätze hinter den Planungen zurückbleiben​. Diese Lücke zwischen hohen laufenden Kosten und langsam steigenden Erlösen erfordert ständige Liquidität – sollte eine weitere Finanzierung ausbleiben, droht schnell ein Engpass. Kurz gesagt: Die Deutsche Glasfaser kämpft mit einer klassischen Schere aus hohen Ausgaben jetzt und (noch) zu niedrigen Einnahmen, was ohne kontinuierlichen Kapitalnachschub zur Insolvenz führen könnte.

Politische und regulatorische Rahmenbedingungen: Die Politik hat ambitionierte Ziele ausgegeben – bis Ende 2025 sollen 50 % der deutschen Haushalte Glasfaser haben, bis 2030 flächendeckend alle​. Diese Zielvorgaben setzen die Branche unter Druck, sehr schnell auszubauen. Gleichzeitig hapert es aber oft an der praktischen Umsetzung. Genehmigungsverfahren für Tiefbau und Leerrohrverlegung dauern in Deutschland mitunter lange, da Kommunen und Behörden überlastet sind. Es fehlt bislang ein umfassendes Gigabit-Grundbuch oder eine zentrale Koordination, wer wo baut – was den erwähnten Überbau begünstigt. Regulatorisch kommen weitere Punkte hinzu: Etwa das neue Telekommunikationsgesetz (TKG), das kürzere Kündigungsfristen und Wechselprozesse vorschreibt, hat den Anbietern einige Anpassungen abverlangt. Die Deutsche Glasfaser geriet z.B. in die Kritik der Verbraucherzentralen wegen vermeintlich intransparenter Vertragslaufzeiten und wurde verklagt​. Solche Rechtsstreitigkeiten binden Ressourcen und können das Image beeinträchtigen. Förderpolitik spielt ebenfalls eine Rolle: In manchen ländlichen Regionen werden staatliche Förderprogramme aufgelegt, um den Ausbau wirtschaftlich zu machen. Wenn Deutsche Glasfaser hier zum Zuge kommt, ist man auf zuverlässige Auszahlung der Fördergelder angewiesen – Verzögerungen können Finanzlöcher reißen. Zudem müssen sich privatwirtschaftliche Ausbauer mit subventionierten Projekten der öffentlichen Hand auseinandersetzen. Auch politische Versäumnisse der Vergangenheit belasten: Hätte Deutschland früher mit dem Glasfaserausbau begonnen, wären heute mehr zahlende Kunden vorhanden. Nun aber müssen Anbieter Überzeugungsarbeit leisten, um Kunden von Kupfer (DSL/VDSL) oder Kabel auf Glasfaser zu bewegen. Der Markt für Internetanschlüsse ist stark umkämpft und viele Verbraucher scheuen den Wechsel (dazu gleich mehr). Die Politik hat zwar eine Gigabitstrategie verabschiedet, doch vieles davon sind Absichtserklärungen – das operative Risiko bleibt bei Unternehmen wie Deutsche Glasfaser.

Technologische und operative Herausforderungen: Glasfaserausbau ist nicht nur teuer, sondern auch logistisch und technisch anspruchsvoll. Es fehlen in Deutschland teils die Fachkräfte, um die Bauvorhaben in gewünschter Geschwindigkeit umzusetzen​. Tiefbauunternehmen, Bauingenieure und LWL-Spleißer sind begehrt und knapp. Das führt zu Projekten, die länger dauern als geplant, und mitunter zu Qualitätsproblemen. So gibt es Berichte über Baumängel bei schnellen Verlegeverfahren (etwa unsauber geschlossene Gehwege, beschädigte Wasserleitungen etc.), die im Nachgang behoben werden müssen​. Einige Subunternehmen gerieten in finanzielle Not, weil Zahlungen ausblieben oder Kalkulationen aufgrund gestiegener Materialpreise nicht mehr aufgingen. Prominent ist der Fall der Soli Infratechnik GmbH, eines großen Tiefbau-Partners (rund 700 Mitarbeiter), der im Mai 2024 Insolvenz anmelden musste​. Soli war u.a. für die Telekom tätig​, aber auch Bauprojekte der Deutschen Glasfaser wurden dadurch ausgebremst – in Rinteln (Niedersachsen) etwa ruhte der Ausbau monatelang, weil kein neuer Generalunternehmer gefunden wurde​. Auch in Rheinland-Pfalz meldeten mehrere Kommunen erhebliche Verzögerungen durch Insolvenzen von Baufirmen​. Diese Beispiele zeigen ein systemisches Risiko: Wenn ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette ausfällt, stockt der Netzausbau und verursacht Zusatzkosten. Deutsche Glasfaser musste an einigen Orten kommunale Bauhöfe notdürftig einsetzen, um Gräben zu verfüllen – was das Vertrauen nicht stärkt​. Hinzu kommen technische Anforderungen: Der Übergang vom Bau (Homes Passed) zum aktiven Anschluss (Homes Connected) gestaltet sich aufwendiger als gedacht​. Kunden müssen Termine für Hausinstallationen vereinbaren, alte Verträge kündigen, Router tauschen etc. – Prozesse, die Zeit und Personal erfordern. Bis ein Kunde tatsächlich “on Net” ist und bezahlt, vergeht oft mehr Zeit als in Businessplänen vorgesehen​.

Moderne Verlegemethoden: Die Deutsche Glasfaser setzt auf innovative Technik, um den Ausbau effizienter zu gestalten. So kommen beispielsweise schmale, fernbedienbare Fräsen zum Einsatz, die nur einen handtuchbreiten Graben ziehen und innerhalb eines Tages wieder schließen können​. Damit sollen Tiefbaukosten und Bauzeiten reduziert werden. Dennoch stoßen solche Methoden an Grenzen – etwa wenn Bürgersteige hinterher nicht sauber instandgesetzt werden. Provisorisch verschlossene Baugruben mit Betonplatten sind zwar üblich, sorgen aber mancherorts für Unmut in der Bevölkerung. So ein Zwischenschritt ist technisch sinnvoll und wird später endgültig asphaltiert, doch viele Anwohner sind irritiert, wenn Gehwege wochenlang geflickt aussehen​. Diese kommunikativen Herausforderungen zwingen Unternehmen wie Deutsche Glasfaser dazu, viel Aufklärung zu betreiben, um Akzeptanz für Baustellen und neue Anschlüsse zu schaffen.

Neben solchen operativen Themen darf ein entscheidender Punkt nicht vergessen werden: Die Nachfrage der Kunden. Aktuell zeigt sich, dass viele Verbraucher dem Glasfaserangebot noch zurückhaltend gegenüberstehen. Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox würden 53 % der Deutschen derzeit keinen Glasfaservertrag unterschreiben​. Hauptgründe sind Zufriedenheit mit dem bestehenden Anschluss, Scheu vor dem Aufwand eines Wechsels und Kostenbedenken​. Selbst von denjenigen, die grundsätzlich Interesse an Glasfaser haben, nennt rund ein Drittel die Preise als zu hoch​. Diese Nachfrageskepsis ist für Deutsche Glasfaser problematisch, denn sie bedeutet: Selbst in ausgebauten Orten bleibt ein Teil der Haushalte Kunde bei Kabelnetz- oder DSL-Anbietern und bringt dem neuen Glasfasernetz keinen Umsatz. Die Anbieter stehen also vor der Aufgabe, erstens genügend Haushalte zum Mitmachen zu motivieren (häufig über Vorvermarktungsquoten von ~40%, bevor gebaut wird) und zweitens die restlichen Anschlüsse nach und nach zu aktivieren. Gelingt das nicht im geplanten Umfang, gerät das Geschäftsmodell ins Wanken – hohe Fixkosten treffen auf zu geringe Erlöse. Zusammengefasst lässt sich sagen, Deutsche Glasfaser kämpft mit einem schwierigen Marktumfeld: steigende Bau- und Finanzierungskosten, starker Konkurrenzdruck und ein Kundensegment, das nur zögerlich auf die neue Technik umsteigt.

Auswirkungen einer möglichen Pleite

Was wäre, wenn die Deutsche Glasfaser tatsächlich insolvent würde? Eine solche Pleite eines zentralen Glasfaserakteurs hätte spürbare Folgen auf mehreren Ebenen. Zunächst wären unmittelbar rund 2.000 Mitarbeiter (so viele Beschäftigte hat die Deutsche Glasfaser Gruppe laut Unternehmensangaben​) betroffen. Ihre Jobs stünden auf dem Spiel, wobei in einer Insolvenz ein Weiterbetrieb unter Insolvenzverwaltung durchaus möglich wäre. Erfahrungsgemäß ist in der Telekommunikationsbranche eine komplette Betriebseinstellung unwahrscheinlich – das Netz der Deutschen Glasfaser stellt kritische Infrastruktur bereit, an der Kunden und Kommunen hängen. Kunden selbst müssten kurzfristig keine Abschaltung befürchten: Im Fall einer Insolvenz würde der Netzbetrieb in der Regel zunächst aufrechterhalten, da ein Zusammenbruch der Internetversorgung politisch und regulatorisch heikel wäre. Allerdings könnten Neukundenanschlüsse und Ausbauprojekte sofort auf Eis liegen. Wer also in einem Ausbaugebiet der Deutschen Glasfaser auf seinen Anschluss wartet, müsste mit erheblichen Verzögerungen oder gar einem Ausbaustopp rechnen. Bereits begonnene Bauarbeiten könnten wochen- oder monatelang ruhen – wie oben erwähnt, passierte das ja schon punktuell bei Insolvenzen von Subunternehmen​.

Für die bestehenden Kunden (Privathaushalte und Unternehmen mit DG-Anschluss) käme es darauf an, ob sich ein Übernehmer oder Investor findet, der den Betrieb fortführt. In einer geordneten Insolvenz könnte z.B. ein Wettbewerber Teile der Netze kaufen oder ein Investor neues Kapital einspeisen, um das Unternehmen zu sanieren. Kunden könnten im besten Fall nahtlos weiter surfen; im schlechtesten Fall müssten sie mittelfristig zu einem anderen Anbieter wechseln, falls das DG-Netz vom Markt genommen würde. Solche Szenarien gab es in der Vergangenheit im Telekom-Sektor eher selten – im Mobilfunk hat man z.B. beim Aus von O2 und E-Plus deren Netze zusammengeführt. Im Festnetzbereich wäre die Übernahme eines kompletten Glasfaser-Alt-Netzes durch einen Konkurrenten (etwa Telekom) aus wettbewerbsrechtlichen Gründen allerdings schwierig, da der Marktanteil der Telekom dadurch noch größer würde. Möglich wäre eher, dass Finanzinvestoren oder Konsortien einspringen, um die Netze weiterzubetreiben.

Mitarbeiter und Zulieferer der Deutschen Glasfaser stünden in einer Insolvenzsituation unter großem Druck. Die Mitarbeiter müssten um ihre Löhne bangen (Insolvenzgeld greift nur für eine Übergangszeit) und hätten eine ungewisse Zukunft. Schon jetzt berichten Tiefbauarbeiter in der Branche von Zahlungsverzug und schwierigen Arbeitsbedingungen​. Im Falle einer Pleite des Hauptauftraggebers Deutsche Glasfaser könnten einige Subunternehmen selbst in Schwierigkeiten geraten, weil offene Rechnungen ausfallen. Dieses Domino-Risiko sah man – wie oben erwähnt – bereits bei Soli Infratechnik, wo 20 Gläubiger und auch eine Bank auf Geld warteten​. Gemeinden, die Verträge mit der Deutschen Glasfaser geschlossen haben, müssten befürchten, dass zugesagte Projekte nicht realisiert werden. Dies könnte zu lokalen politischen Verwerfungen führen, weil Bürger die Versprechen auf schnelles Internet enttäuscht sehen. Manche Kommune würde eventuell versuchen, zur Telekom oder zu einem anderen Anbieter zu wechseln, was aber Zeit kostet. Kurz: Eine DG-Pleite würde den Breitbandausbau auf dem Land einen schweren Rückschlag versetzen, da gerade in vielen kleinen Orten die Deutsche Glasfaser oft der einzige aktive Ausbauakteur war.

Investoren und Finanzmarkt wären von der Insolvenz ebenfalls betroffen. Die Kreditgeber der Deutschen Glasfaser – ein Bankenkonsortium, die EIB, und evtl. Anleihegläubiger (sollten Anleihen platziert worden sein) – müssten massive Abschreibungen verkraften. Für Private-Equity-Eigentümer wie EQT und OMERS wäre es ein herber Verlust ihres eingesetzten Kapitals. Eine Pleite könnte außerdem das Vertrauen in Infrastruktur-Investments in Deutschland erschüttern. Bisher galten Investitionen in Glasfasernetze als relativ sicher und zukunftsträchtig. Wenn jedoch ein großes Glasfaser-Projektunternehmen insolvent geht, könnten Geldgeber vorsichtiger werden, was die Finanzierung anderer Digitalprojekte angeht. Ähnliches gilt für die öffentlichen Fördergeber: Bund und EU hätten politisch ein Problem, wenn einer ihrer „Partner“ im geförderten Ausbau scheitert – man würde möglicherweise die Förderbedingungen oder die Auswahl der Projektträger überdenken.

Schließlich wären auch die Wettbewerbssituation und die Branche insgesamt von den Konsequenzen tangiert. Einerseits könnte eine Marktbereinigung dazu führen, dass ein Konkurrent weniger um die Kunden buhlt – was vor allem der Deutschen Telekom und vielleicht Vodafone mittelbar nutzen würde. Diese könnten versuchen, frustrierte DG-Kunden mit eigenen Angeboten abzuwerben. Andererseits würde aber auch Druck von den Platzhirschen genommen, weiterhin schnell auszubauen. Wenn ein expansiver Herausforderer wie Deutsche Glasfaser wegfällt, könnte z.B. die Telekom ihr Ausbautempo drosseln, da weniger Wettbewerbsdruck besteht – was dem gesamtgesellschaftlichen Ziel (schneller flächendeckender Ausbau) abträglich wäre. Zudem würde ein DG-Aus die Verhandlungsposition der Gemeinden schwächen: Bisher konnten Kommunen bei der Auswahl von Ausbaupartnern oft zwischen Telekom, Deutscher Glasfaser und eventuell weiteren Anbietern wählen. Weniger Vielfalt bedeutet weniger Auswahl und möglicherweise schlechtere Konditionen für Kommunen und Verbraucher (z.B. weniger offene Netze, höhere Preise). Außerdem entstünde eine erhebliche Unsicherheit in der Belegschaft der Telekommunikationsbranche: Wenn sogar ein bisheriges Vorzeigeunternehmen der Glasfaser-Offensive scheitert, was heißt das für andere? Kurzum, eine Insolvenz der Deutschen Glasfaser wäre ein Beben in der deutschen Telekom-Branche, dessen Nachbeben viele spüren würden – vom einzelnen Dorfbewohner bis zur Finanzwelt.

Vergleich mit Wettbewerbern und allgemeine Lage des Glasfasermarktes

Um die Situation der Deutschen Glasfaser einzuordnen, lohnt ein Blick auf die Konkurrenten und den Gesamtmarkt. Wie steht Deutsche Glasfaser im Vergleich zu anderen Anbietern da? Und wie ist der Status quo beim Glasfaserausbau in Deutschland?

Zunächst die großen Player: Deutsche Telekom und Vodafone sind die Schwergewichte im deutschen Breitbandmarkt. Bei reinem FTTH/B-Glasfaserausbau hatte die Telekom lange Rückstand, holt nun aber auf. Wie erwähnt hat die Telekom per Mitte 2024 etwa 8,2 Mio. Haushalte mit FTTH versorgt (ca. 20 % der Haushalte)​. Das Ziel ist, bis Ende 2024 auf 10 Mio. zu kommen und bis 2030 deutlich über 25 Mio., was etwa der Hälfte aller Haushalte entspräche​. Die Telekom investiert Milliarden pro Jahr in den Ausbau und hat sogar ein eigenes Tiefbauunternehmen gegründet, um Engpässe zu mildern​. Finanziell steht die Telekom auf solidem Fundament, da das Festnetz-Geschäft durch Mobilfunk und Bestandskunden quersubventioniert werden kann. Zudem kann sie sich Kapital am Anleihemarkt günstiger besorgen, da sie ein großer Konzern mit Investment-Grade-Rating ist – ein Vorteil gegenüber kleineren wie Deutsche Glasfaser. Vodafone wiederum verfügt bereits über ein breit gefächertes Breitbandnetz, allerdings größtenteils auf Basis von Koaxialkabel (TV-Kabelnetz). Rund 24 Mio. Haushalte erreicht Vodafone über ihr Kabelnetz mit Gigabit-Speed im Download​ (wenn auch nicht symmetrisch). Doch um zukunftssicher zu bleiben, setzt auch Vodafone auf FTTH: 2023 startete man das Joint Venture “OXG” mit dem Investor Altice, um in den nächsten 6 Jahren 7 Mio. reine Glasfaseranschlüsse zu bauen – mit bis zu 7 Mrd. € Invest​. Bis Ende 2024 sollen in 150 Städten und Gemeinden erste Projekte beginnen​. Hier zeigt sich: Der Kapitalhunger in der Branche ist enorm; selbst Vodafone geht in Vorleistung. Allerdings hat Vodafone den Vorteil, bereits über Wholesale-Zugänge zu Glasfasernetzen anderer zu verfügen: Durch Verträge darf Vodafone das Netz der Telekom und der Deutschen Glasfaser mitbenutzen und kann so heute schon 8,2 Mio. Haushalten eigene Glasfaser-Tarife anbieten – ohne die alle selbst gebaut zu haben​. Für Deutsche Glasfaser bedeutet diese Kooperation zwar zusätzliche Einnahmen (Vodafone kauft Vorleistungsprodukte ein), doch Vodafone kann dadurch auch Kunden gewinnen, die sonst evtl. direkt bei Deutsche Glasfaser gebucht hätten.

Neben den Big Playern gibt es Telefónica (O2) und 1&1 Versatel. Telefónica Germany (O₂) hat kein so großes eigenes Festnetz, beteiligt sich aber über das Joint Venture “Unsere Grüne Glasfaser” (UGG) mit Allianz am ländlichen Ausbau​. UGG hat jüngst für Furore gesorgt, indem es eine Konsolidierung anstößt: UGG will Infrafibre Germany übernehmen, zu der regionale Anbieter wie Leonet und BBV gehören​. Damit entsteht ein neuer großer Player mit über 1 Mio. Haushalten im Ausbau und Ziel von 2,2 Mio. Haushalten​. Dieser Zusammenschluss zeigt, wie sich kleinere Anbieter zusammentun, um gegen Deutsche Glasfaser & Co. besser aufgestellt zu sein. O₂ selbst vermarktet ebenfalls via Partnerschaften (Telekom, wilhelm.tel, EWE etc.) Glasfaser und erreicht so schon mehrere Millionen Haushalte mit Angeboten​. 1&1 Versatel hat ein großes Stadtnetz (über 60.000 km Glasfaserkabel), konzentriert sich aber vor allem auf Geschäftskunden​. 1&1 steigt im Privatsektor eher als Reseller auf vorhandenen Netzen ein (insbesondere der Telekom).

Interessant ist, dass Deutsche Glasfaser trotz ihrer Probleme immer noch als einer der Marktführer gilt. In ländlichen Räumen ist DG laut Eigendarstellung Marktführer bei FTTH​. Zusammen mit der Telekom verfügt sie über die größten eigenen FTTH-Netze in Deutschland​. Diese Position hat sich Deutsche Glasfaser in nur gut einem Jahrzehnt erarbeitet – bemerkenswert, aber eben auch mit massiver Fremdfinanzierung. Im Wettbewerb hat DG einige Pluspunkte: hohe Expertise im Bürger­informations- und Nachfragebündelungsprozess (wichtig, um in Dörfern die 40%-Quote zu knacken), ein reines FTTH-Netz ohne Altlasten, und mittlerweile auch Kooperationsverträge mit großen Providern (z.B. der erwähnte Wholesale-Deal mit Vodafone über zehn Jahre​). Andererseits stehen ihr die Riesen gegenüber, die in puncto Kundenzugang Vorteile haben: Telekom hat bestehende Kundenbeziehungen fast überall und kann bei einem Ausbau einfach ihre eigenen DSL-Kunden auf Glasfaser migrieren. Vodafone sitzt auf einem Berg von Kabelkunden, denen man per Upgrade oder im Zuge der Umstellung auf Glasfaser ebenfalls eigene Angebote machen wird.

Der allgemeine Glasfasermarkt in Deutschland befindet sich an einem kritischen Punkt. Nach jahrelanger Aufholjagd ist die Verfügbarkeit von Fiber in den letzten zwei, drei Jahren stark gestiegen – auf etwa 36 % der Haushalte Mitte 2024​. Bis Ende 2024 dürfte etwa die Hälfte der Haushalte einen Glasfaseranschluss zumindest technisch verfügbar haben​. Doch wie zuvor ausgeführt, hinkt die Nutzungsrate hinterher; viele Anschlüsse liegen brach. Das Wachstum der Homes Passed (erschlossenen Haushalte) war zuletzt leicht rückläufig im Trend​ – möglicherweise ein erstes Zeichen der Kapazitätsgrenzen. Herausforderungen für alle Marktteilnehmer sind:

  • Fachkräftemangel und Baukapazitäten: Tiefbaukolonnen, Genehmigungsplaner und Glasfasermonteure sind begrenzt verfügbar. Dies könnte den Ausbau verlangsamen. Die Telekom reagierte mit einer eigenen Baufirma, andere vergeben mehr an Generalunternehmer, was aber wiederum Klumpenrisiken birgt, wie man sieht (Insolvenzfälle).
  • Kundenakzeptanz: Alle Anbieter müssen Überzeugungsarbeit leisten, um Haushalte vom Wechsel zu überzeugen. Das bedeutet Marketingkosten, Vertrieb bis an die Haustür (was teils für negativen Ärger sorgt, wie Verbraucherzentralen berichten) und Geduld, bis Investitionen sich rechnen.
  • Regulierung: Es gilt, Doppelarbeiten zu vermeiden – hier wären Open-Access-Kooperationen ideal. Deutsche Glasfaser ist z.B. offener für andere Anbieter (Vodafone nutzt ja deren Netz), während die Telekom teilweise parallele Netze legt. Die Bundesregierung bemüht sich um ein Beschleunigungsgesetz (TK-NABEG), doch die Meinungen dazu sind gespalten. Eine effektivere Koordinierung könnte allen helfen, steht aber noch aus.
  • Konsolidierung: Branchenkenner sind sich einig, dass es zu einer Marktkonsolidierung kommen wird. Es sind schlicht zu viele Akteure mit überschneidenden Ausbauplänen unterwegs, als dass alle profitabel existieren könnten. Beispiele wie die UGG/Infrafibre-Fusion oder die Übernahme lokaler Netze durch größere Firmen (z.B. Erwerb von inexio durch Deutsche Glasfaser 2020) zeigen den Trend. Für Deutsche Glasfaser bedeutet das: Entweder man wird am Ende selbst zum Konsolidierer – oder man gerät in Gefahr, Teil einer Konsolidierung auf Kosten der eigenen Unabhängigkeit zu werden.

Zukunftsperspektiven

Wie kann es weitergehen – für die Deutsche Glasfaser im Speziellen und den Glasfasermarkt insgesamt? Zunächst zur Deutschen Glasfaser: Eine Pleite muss nicht zum völligen Verschwinden des Unternehmens führen. Es gibt mehrere Rettungsszenarien, sollte die finanzielle Lage kritisch bleiben. Die Gesellschafter (EQT, OMERS) könnten frisches Eigenkapital nachschießen, um die Bilanz zu stärken – immerhin haben sie großes Interesse, ihre Milliardeninvestition nicht untergehen zu sehen. Ebenso könnten neue Investoren ins Boot geholt werden; denkbar wäre beispielsweise ein Einstieg von staatsnahen Investoren wie der KfW-Bank, falls die Politik dies unterstützt, um den Ausbau nicht zu gefährden. Auch eine Teilübernahme durch Wettbewerber ist möglich: Die Netze der Deutschen Glasfaser sind attraktiv, und falls Regulierung und Kartellamt es zulassen, könnte etwa die Telekom Teile davon kaufen, um eigene Lücken zu schließen (insbesondere in ländlichen Gebieten, wo die Telekom noch Kupfer hat und DG schon Glasfaser). Allerdings wäre ein Komplettkauf durch die Telekom wohl kaum genehmigungsfähig, da es den Wettbewerb stark einschränken würde. Andere Infrastrukturfonds oder Konsortien könnten einspringen. Beispielsweise könnten Utilities (Energieversorger) Interesse haben, denn Glasfasernetze werden bisweilen als strategische Infrastruktur betrachtet, ähnlich Strom- und Gasnetzen.

Ein weiteres Szenario ist eine Fusion: Deutsche Glasfaser könnte sich mit einem anderen großen Ausbauer zusammenschließen, um Synergien zu heben und Kosten zu sparen. Eine Fusion mit einem Player wie der erwähnten UGG (Allianz/Telefónica) oder mit Vodafone’s neuer Glasfaser-Tochter OXG wäre rein hypothetisch denkbar, wenn die Interessen passen. Dadurch ließen sich Parallel-Ausbaugebiete abstimmen und der finanzielle Druck vielleicht mindern. Solche Deals sind allerdings komplex und bräuchten den Segen vieler Parteien.

Sollte all das scheitern und tatsächlich ein Insolvenzantrag gestellt werden, käme es auf die Insolvenzverwaltung an, das Unternehmen geordnet zu restrukturieren. Wahrscheinlich würde in so einem Fall versucht, die Deutsche Glasfaser als Ganzes oder in großen Teilen an neue Eigentümer zu übertragen (ein sogenannter Asset Deal). Für die Kunden und Kommunen wäre wichtig, dass der Netzbetrieb weitergeht – hier könnte die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde auch intervenieren, um einen Grundversorgungsbetrieb sicherzustellen.

Der deutsche Glasfasermarkt insgesamt steht vor Chancen und Risiken. Die Chancen liegen auf der Hand: Der Bedarf an schnellem Internet steigt ungebremst, neue Anwendungen (Streaming, Cloud, Smart Home, künftig vielleicht Telemedizin, autonomes Fahren usw.) erfordern hohe Bandbreiten und stabile Verbindungen. Glasfaser gilt technologisch als zukunftssicher, da die Kapazität (auch mit neuen Übertragungsstandards) quasi unbegrenzt steigerbar ist. Politisch genießt das Thema Breitbandausbau weiterhin Priorität – selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten will keine Regierung als „diejenige, unter der Deutschland digital abgehängt wurde“ gelten. Es fließen also auch öffentliche Gelder, und Genehmigungsprozesse könnten noch weiter vereinfacht werden (Stichwort: Gigabitstrategie). Für die Unternehmen heißt das: Der Markt wird langfristig wachsen, wer durchhält, kann auf Jahrzehnte hinweg Einnahmen durch Anschlüsse generieren. Zudem zeichnet sich ab, dass mittelfristig Kupfernetze abgeschaltet werden (die Telekom plant z.B. das PSTN-Abschalten und perspektivisch den Ausstieg aus VDSL, um ganz auf FTTH zu gehen). Dadurch müssen letztlich alle Kunden auf Glasfaser oder Koax wechseln – es ist also ein Endspiel um die letzte Meile im Gange.

Die Risiken allerdings sind in der aktuellen Konsolidierungsphase erheblich. Kurzfristig drücken die oben geschilderten Kosten- und Wettbewerbsprobleme. Sollte die Konjunktur in Deutschland weiter schwächeln, könnten Privathaushalte ihre Ausgabebereitschaft für teurere Glasfaser-Tarife noch weiter zügeln – was die Amortisation weiter verzögert. Technologisch gibt es zwar kaum Alternativen, doch die Kabelnetzbetreiber (Vodafone mit Kabel, Tele Columbus/PŸUR etc.) versuchen mit Upgrades (DOCSIS 4.0) auch hohe Bandbreiten zu bieten, was manchen Kunden genügen mag. Zudem gewinnt 5G-Funk (Fixed Wireless Access) in einigen ländlichen Regionen als schnelle Übergangslösung an Bedeutung. Wenn z.B. ein Haushalt schon 100 Mbit über 5G bekommt, ist die Zahlungsbereitschaft für einen Glasfaseranschluss eventuell begrenzt – zumindest kurzfristig. Die Glasfaseranbieter müssen also ihre Vorteile (Stabilität, Latenz, Zukunftssicherheit) stark betonen und gegebenenfalls über Preisanreize oder Testangebote Kunden locken.

Für die Deutsche Glasfaser persönlich wird viel davon abhängen, ob es gelingt, die Investorenwelt weiterhin von ihrem Geschäftsmodell zu überzeugen. Die nächsten ein bis zwei Jahre dürften kritisch sein: Hier entscheidet sich, ob Deutsche Glasfaser den Übergang von der Aufbau- in die Betriebsphase schafft – sprich: schwarze Zahlen im operativen Geschäft erreicht, bevor die finanziellen Reserven erschöpft sind. Maßnahmen zur Kostensenkung (Optimierung von Bauprozessen, Standardisierung, vielleicht Aussetzen von Ausbau in besonders unrentablen Gebieten) könnten helfen, die Verluste zu reduzieren. Gleichzeitig muss der Vertrieb die vorhandenen Netze stärker auslasten – jeder ungenutzte Anschluss ist verlorenes Geld. Vielleicht sehen wir auch neue Tarifmodelle, z.B. günstigere Einstiegsangebote, um Preissensible doch noch auf die Glasfaser zu holen, oder attraktive Bündelprodukte über Open Access (z.B. Kooperation mit Streamingdiensten). Wenn der Markt insgesamt ins Laufen kommt – d.h. wenn die Akzeptanz der Kunden steigt – würden sich viele Probleme quasi organisch lösen: Volle Netze = mehr Umsatz = bessere Refinanzierung.

Aus Sicht der Branche bleibt zu hoffen, dass kein großer Player insolvent gehen muss, weil das einen Dämpfer für den gesamten Ausbau bedeuten würde. Wahrscheinlicher ist ein geordneter Konsolidierungsprozess, bei dem schwächelnde Unternehmen aufgekauft oder fusioniert werden, bevor sie zahlungsunfähig sind. Die Deutsche Glasfaser könnte in diesem Konzert entweder als Übernehmende auftreten (falls sie ihre Finanzierungslage stabilisiert und möglicherweise kleinere Netze schluckt, um schneller auf die 6 Mio. Anschlüsse zu kommen) – oder sie selbst wird Teil einer Übernahmelösung durch einen finanzstärkeren Rivalen. Expertenmeinungen gehen dahin, dass 5–6 große Infrastrukturbetreiber übrig bleiben werden, die den Markt unter sich aufteilen, anstatt dutzende kleine regionale Firmen​.

Abschließend ist festzustellen: Die deutsche Glasfaser-Offensive befindet sich in einer entscheidenden Phase. Deutsche Glasfaser als Pionier hat enorme Vorarbeit geleistet, aber auch enormes Risiko aufgebaut. Ob das Unternehmen in einigen Jahren als Erfolgsgeschichte dasteht – als privater Betreiber, der Millionen Anschlüsse brachte und dann profitabel wirtschaftete – oder als Mahnmal für Überhitzung im Infrastrukturmarkt, wird sich in naher Zukunft zeigen. Für Kunden und Volkswirtschaft bleibt zu hoffen, dass Lösungen gefunden werden, um den Glasfaserausbau nachhaltig und finanziell tragfähig fortzuführen. Denn am Ende gilt: Ohne leistungsfähige Netze keine digitale Zukunft – und daran hat weder der ländliche Bürger noch die Wirtschaft oder Politik ein Interesse zu scheitern.

Bildquelle: https://presse.deutsche-glasfaser.de/latest_news

PR-Redaktion

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