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Wem gehört Amazon? Aktionäre, Anteile und die Macht von Jeff Bezos

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  • Vor 1 Stunde veröffentlicht

Wem gehört Amazon? Die kurze Antwort vorweg Amazon gehört seinen Aktionären. Der Konzern ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft nach US-Recht, gelistet an der Nasdaq unter dem Kürzel AMZN, und das Eigentum verteilt sich auf rund 10,5 Milliarden ausgegebene Anteilsscheine. Wer eine einzige davon kauft, besitzt einen winzigen Bruchteil von einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. Es […]

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Wem gehört Amazon? Die kurze Antwort vorweg

Amazon gehört seinen Aktionären. Der Konzern ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft nach US-Recht, gelistet an der Nasdaq unter dem Kürzel AMZN, und das Eigentum verteilt sich auf rund 10,5 Milliarden ausgegebene Anteilsscheine. Wer eine einzige davon kauft, besitzt einen winzigen Bruchteil von einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. Es gibt keinen Alleineigentümer, keine Familienholding mit Sperrminorität, keinen Staatsfonds mit Kontrollmehrheit.

Die Frage, wem Amazon gehört, zielt aber meist auf etwas anderes: auf den größten Einzelaktionär. Das ist seit der Gründung Jeff Bezos. Er hält je nach Stichtag zwischen acht und neun Prozent aller Amazon Aktien und damit mehr als jeder andere einzelne Mensch oder jede einzelne Institution. Diese Beteiligung verschafft ihm eine Stimmgewalt, die kein Vermögensverwalter erreicht.

Darunter folgt eine zweite Ebene, die viele übersehen: institutionelle Investoren wie Vanguard und BlackRock, die zusammen deutlich mehr Amazon Aktien verwalten als Jeff Bezos besitzt. Sie handeln jedoch im Auftrag von Millionen Sparern und treten selten als geschlossener Block auf. Wem der Konzern wirtschaftlich gehört, ist deshalb eine andere Frage als die, wer ihn steuert.

Jeff Bezos als größter Einzelaktionär

Jeff Bezos, geboren 1964 in Albuquerque, arbeitete Anfang der neunziger Jahre bei dem Hedgefonds D. E. Shaw an der Wall Street. Dort stieß er auf eine Zahl, die sein Leben drehte: Das Internet wuchs damals mit Raten im Bereich von mehreren Tausend Prozent pro Jahr. Er kündigte einen gut dotierten Posten, zog nach Seattle und begann, eine Verkaufsplattform aufzubauen. Seine Eltern steckten rund 245.000 US-Dollar in das Vorhaben, ohne Garantie auf Rückzahlung.

Diese frühe Finanzierung ist der Grund, warum die Familie bis heute zu den Profiteuren zählt. Wer sehr früh einsteigt, zahlt Cent-Beträge für Anteile, die später Hunderte Dollar wert sind. Bezos selbst hielt nach dem Börsengang im Mai 1997 noch deutlich über 40 Prozent des Unternehmens. Jahrzehntelanges Verwässern durch neue Aktien, Verkäufe und die Scheidung haben diesen Anteil auf die heutige Größenordnung gedrückt.

Von der Online-Buchhandlung in einer Garage zum Versandkonzern

Die Gründung fand im Juli 1994 in einer gemieteten Garage in Bellevue im Bundesstaat Washington statt. Der erste Firmenname lautete Cadabra, wurde aber verworfen, weil er am Telefon wie Cadaver klang. Als Online-Buchhandlung startete die Seite im Juli 1995, das erste verkaufte Buch war ein Fachtitel über Informatik und Bewusstsein. Bücher waren bewusst gewählt: Sie sind standardisiert, haltbar und es gibt Millionen Titel, die kein stationärer Laden der Welt vorrätig halten kann.

Innerhalb von zwei Jahren kamen CDs, Spielzeug und Elektronik dazu. Amazon verkaufte lange mit Verlust und finanzierte Wachstum über den Kapitalmarkt, was Bezos gegenüber Analysten mit bemerkenswerter Sturheit verteidigte. Erst 2001 verbuchte das Unternehmen einen ersten kleinen Quartalsgewinn von rund fünf Millionen US-Dollar. Viele Beobachter hatten den Konzern da längst abgeschrieben.

E-Commerce und Cloud: womit eines der wertvollsten Unternehmen der Welt verdient

Der Handel ist bis heute das Gesicht von Amazon, aber nicht der Gewinnbringer. Das operative Ergebnis stammt zu einem erheblichen Teil aus Amazon Web Services, der Sparte für Cloud Computing, die 2006 als Nebenprodukt der eigenen IT-Infrastruktur startete. AWS vermietet Rechenleistung und Speicher an Start-ups, Konzerne und Behörden. Die Marge dort liegt regelmäßig im Bereich von 30 Prozent, während der Versandhandel in Europa zeitweise rote Zahlen schrieb.

Dazu kommt ein Werbegeschäft, das inzwischen zweistellige Milliarden US-Dollar pro Quartal einspielt, sowie Abo-Erlöse aus Prime. Wer verstehen will, warum Amazon Aktien so bewertet werden, muss diese Mischung kennen: eine kapitalintensive Logistik im E-Commerce, finanziert und gestützt von einer hochprofitablen Technologiesparte. Genau diese Kombination macht den Konzern zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt.

Wie viele Amazon Aktien hält Jeff Bezos heute?

Nach dem Aktiensplit im Verhältnis 20 zu 1 aus dem Jahr 2022 hielt Jeff Bezos knapp eine Milliarde Papiere. Seither hat er in mehreren Tranchen verkauft, allein Anfang 2024 Aktien im Wert von über acht Milliarden US-Dollar. Übrig bleibt eine Position in der Größenordnung von 900 Millionen Stück, was je nach Kursstand Aktien im Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar entspricht und den größten Teil seines Vermögens ausmacht.

Diese Verkäufe folgen fast immer vorher angemeldeten Plänen und dienen zwei Zwecken: Sie finanzieren seine Raumfahrtfirma und seine Stiftungsprojekte. Ein Insider in dieser Größenordnung kann nicht einfach spontan Aktien im Wert von Milliarden abstoßen, ohne den Kurs zu bewegen und die Aufsicht SEC zu alarmieren. Wer das Inhaltsverzeichnis des jährlichen Proxy Statements aufschlägt, findet unter „Security Ownership“ die exakten Stückzahlen zum jeweiligen Stichtag.

Anteilseigner Grobe Größenordnung des Anteils Art
Jeff Bezos rund 8 bis 9 Prozent Gründer, Privatperson
Vanguard Group rund 7 Prozent Fondsgesellschaft
BlackRock rund 6 Prozent Fondsgesellschaft
State Street rund 3 Prozent Fondsgesellschaft
Streubesitz, Fonds, Privatanleger Rest gemischt

Vanguard, BlackRock und die stillen Miteigentümer

Vanguard und BlackRock halten Amazon Aktien nicht auf eigene Rechnung. Sie verwalten Indexfonds und ETFs, in denen das Geld von Millionen Menschen liegt, von amerikanischen Lehrern bis zu deutschen Sparplan-Anlegern. Wer monatlich 50 Euro in einen MSCI-World-ETF steckt, ist über diesen Umweg Miteigentümer. Das relativiert die Schlagzeile, ein Finanzkonzern „besitze“ einen Teil von Amazon.

Einfluss üben diese Häuser trotzdem aus, nämlich über das Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Bei Abstimmungen über Vergütung, Klimaberichte oder Arbeitsbedingungen entscheidet oft, wie die großen Vermögensverwalter votieren. Zusammen kommen sie auf deutlich mehr Stimmen als der Gründer. In der Praxis stimmen sie allerdings meist mit dem Management, was Jeff Bezos und dem Verwaltungsrat eine stabile Mehrheit verschafft.

Wer ist der Chef von Amazon? Andy Jassy und Jeff Bezos als Executive Chairman

Operativer Chef ist seit dem 5. Juli 2021 Andy Jassy. Er kam 1997 als junger Mitarbeiter zu Amazon, baute später AWS auf und gilt als Architekt des Cloud-Geschäfts. Sein Aktienpaket liegt im Promillebereich, ist aber dreistellige Millionen US-Dollar schwer. Als CEO verantwortet er Preise, Personal, Investitionen und die Auseinandersetzungen mit Kartellbehörden in den USA und in Europa.

Jeff Bezos zog sich auf den Posten des Executive Chairman zurück, also auf den Vorsitz des Verwaltungsrats. Er ist damit weiter Vorsitzender des Gremiums, das den CEO bestellt und abberufen kann. Strategische Weichenstellungen, große Zukäufe und Personalfragen an der Spitze laufen über diesen Tisch. Das Tagesgeschäft führt er nicht mehr, den Einfluss hat er behalten, und als größter Einzelaktionär kann ihn niemand übergehen.

Jacklyn Gise Jorgensen, Ted Jorgensen und die Familie des Gründers

Seine Mutter Jacklyn Gise Jorgensen war 17, als sie ihn zur Welt brachte. Sein leiblicher Vater Ted Jorgensen, ein Einradartist aus Albuquerque, verschwand früh aus dem Leben des Jungen; die Ehe hielt kaum zwei Jahre. Später adoptierte der kubanische Einwanderer Miguel Bezos das Kind und gab ihm seinen Nachnamen. Ted Jorgensen erfuhr erst 2012 durch Recherchen eines Journalisten, dass der Gründer von Amazon sein Sohn war.

Jacklyn Gise Jorgensen und Miguel Bezos waren es, die 1995 die erwähnten 245.000 US-Dollar investierten, einen großen Teil ihrer Ersparnisse. Aus dieser Wette wurden Amazon Aktien im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Beide traten später als Stifter auf, unter anderem über den Bezos Family Fund. Die Geschichte zeigt, wie stark frühe Beiträge aus dem privaten Umfeld die spätere Eigentümerstruktur prägen.

MacKenzie Scott und vier Prozent der Amazon Aktien

Bei der Scheidung 2019 erhielt MacKenzie Scott rund ein Viertel des gemeinsamen Aktienpakets, etwa vier Prozent des gesamten Unternehmens. Damit war sie über Nacht eine der reichsten Frauen der Welt. Die Stimmrechte an diesen Papieren übertrug sie vertraglich an ihren Ex-Mann, was dessen Position im Verwaltungsrat absicherte.

Seither hat sie große Teile verkauft und verschenkt. Nach eigenen Angaben flossen mehr als 17 Milliarden Dollar an Tausende Organisationen, oft ohne Auflagen und ohne Antragsverfahren. Ihr verbliebener Anteil an Amazon ist dadurch auf einen niedrigen einstelligen Prozentwert geschrumpft. Trotzdem gehört sie weiterhin zu den größten privaten Eigentümern des Konzerns.

Blue Origin, Washington Post und was Jeff Bezos außerhalb von Amazon gehört

Blue Origin gründete er bereits im Jahr 2000, also lange vor dem Rückzug aus der Konzernspitze. Das Raumfahrtunternehmen gehört ihm zu praktisch 100 Prozent und wird aus dem Verkauf von Amazon Aktien finanziert; zeitweise sprach er von rund einer Milliarde Dollar pro Jahr. Zu den Projekten zählen die Rakete New Glenn und eine Mondlandefähre in Kooperation mit der NASA. Blue Origin steht damit in direkter Konkurrenz zu SpaceX.

2013 kaufte er die Washington Post für 250 Millionen US-Dollar, und zwar privat, nicht über Amazon. Die Zeitung ist kein Teil des Konzerns, was juristisch wichtig ist und redaktionell immer wieder diskutiert wird. Artikel und Beiträge der Washington Post über Technologiekonzerne stehen seither unter besonderer Beobachtung. Als Eigentümer ließ er das Blatt digital umbauen, griff aber 2024 mit einer Entscheidung gegen eine Wahlempfehlung sichtbar in die Linie ein, was Hunderttausende Abonnenten zur Kündigung bewog.

Dazu kommen die Uhr im Berg in Texas, das Investmentvehikel Bezos Expeditions, Beteiligungen an Airbnb, Uber und Google aus Frühphasen sowie der zehn Milliarden Dollar schwere Bezos Earth Fund. Als Investor war er mehrfach früh dran: Die 250.000 Dollar, die er 1998 in Google steckte, waren später ein Vielfaches wert.

Was hat Elon Musk mit Amazon zu tun?

Eigentumsrechtlich nichts. Elon Musk hält keine nennenswerte Position an Amazon Aktien und sitzt in keinem Gremium des Konzerns. Die Verbindung zwischen beiden Unternehmern ist eine Rivalität, die sich an zwei Fronten abspielt. In der Raumfahrt konkurrieren Blue Origin und SpaceX um Starts, NASA-Aufträge und Patente; 2014 stritten sie vor Gericht über die Landung von Raketenstufen auf schwimmenden Plattformen.

Die zweite Front ist das Satelliteninternet. Amazon baut mit dem Projekt Kuiper eine Konstellation auf, die gegen Musks Starlink antritt. Beide wollen Haushalte außerhalb der Glasfasernetze mit Breitband versorgen, und beide brauchen dafür Frequenzen und Startkapazitäten. Dass Amazon dafür zeitweise sogar Raketen bei der Konkurrenz buchen musste, gehört zu den Kuriositäten dieser Auseinandersetzung.

Ist Elon Musk reicher als Jeff Bezos?

Ja, seit 2021 liegt Musk in den gängigen Ranglisten vorn, zeitweise mit erheblichem Abstand. Sein Vermögen hängt vor allem an Tesla und an Anteilen an SpaceX und xAI, die nicht börsennotiert sind und daher geschätzt werden müssen. Jeff Bezos folgt meist auf Platz zwei oder drei, dicht gefolgt von Larry Ellison und Mark Zuckerberg.

Diese Rangfolge schwankt mit den Kursen. Fällt die Tesla-Aktie um 30 Prozent, verliert Musk über Nacht dreistellige Milliardenbeträge; steigen die Amazon Aktien kräftig, schiebt sich Bezos wieder näher heran. Ein Blick auf solche Listen beschreibt also einen Tageswert, keine Kontostände. Beide Vermögen bestehen fast vollständig aus Unternehmensanteilen, nicht aus Bargeld.

Wo wohnt der Besitzer von Amazon?

Jeff Bezos verlegte seinen Hauptwohnsitz Ende 2023 von Seattle nach Florida, offiziell wegen der Nähe zu seinen Eltern und zum Raumfahrtstandort Cape Canaveral. Auf der abgeschirmten Insel Indian Creek bei Miami, von Journalisten „Billionaire Bunker“ genannt, kaufte er mehrere Grundstücke für zusammen rund 230 Millionen US-Dollar. Der Umzug hat einen Nebeneffekt: Florida erhebt keine Kapitalertragsteuer auf Landesebene, Washington dagegen schon.

Daneben besitzt er ein Anwesen in Medina am Lake Washington, Häuser in New York und Washington, D. C., eine Ranch in Texas sowie das sogenannte Warner Estate in Beverly Hills, für das er 2020 rund 165 Millionen US-Dollar zahlte. Die Segeljacht Koru mit knapp 127 Metern Länge kommt hinzu. Für die Eigentumsfrage an Amazon spielt das keine Rolle, für die Steuerfrage sehr wohl.

Was Aktionären tatsächlich gehört

Wer Amazon Aktien kauft, erwirbt Stimmrecht und Anspruch auf den anteiligen Unternehmenswert. Eine Dividende gibt es nicht; Gewinne werden reinvestiert oder für Rückkäufe verwendet. Der Ertrag entsteht also allein über den Kurs. Aktien im Wert von 1.000 Euro machen aus einem Anleger keinen Mitbestimmer, aber rechtlich steht er auf derselben Seite wie der Gründer.

Die Antwort auf die Frage, wem Amazon gehört, fällt damit zweistufig aus: formal Millionen von Aktionären weltweit, faktisch geprägt von einem Mann, der acht bis neun Prozent hält und den Verwaltungsrat führt. Für Unternehmer und Investoren ist vor allem der zweite Teil interessant, weil er erklärt, warum ein Konzern dieser Größe noch immer Entscheidungen trifft, die nach Gründerlogik aussehen und nicht nach Quartalsbericht.

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