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11.000 Fotos und ich bin auf keinem drauf: Was wir aus dem ersten Babyjahr gelernt haben

  • Ratgeber
  • Vor 12 Stunden veröffentlicht

Als unser Sohn ein Jahr alt wurde, hatte ich knapp 11.000 Fotos von ihm am Handy. Beim Durchscrollen ist mir dann etwas aufgefallen, das wohl vielen Eltern so geht: Auf fast keinem bin ich selbst drauf. Mein Mann auch nicht. Es gibt hunderte Bilder vom Kind am Wickeltisch, im Kinderwagen, beim Breiessen, aber kaum eines, auf dem man sieht, dass wir drei eine Familie sind.

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Das war der Grund, warum wir zum ersten Mal ein professionelles Fotoshooting in Wien gebucht haben. Nicht für Instagram, sondern für uns. Und weil der erste Geburtstag ohnehin vor der Tür stand, haben wir gleich noch etwas dazugenommen, das ich vorher nur von Freunden kannte.

Warum Handyfotos nicht reichen

Mit der Qualität hat das weniger zu tun, als man glaubt. Die Kameras in den Handys sind mittlerweile wirklich gut. Der eigentliche Unterschied ist, dass jemand anderer fotografiert. Man ist nicht damit beschäftigt, das Kind ins Bild zu bekommen, den Winkel zu finden und gleichzeitig zu lächeln, sondern ist einfach da. Man hält es, lacht mit ihm, und irgendwer fängt genau diesen Moment ein. Genau das fehlt auf den 11.000 Handyfotos.

Dazu kommt: Wer schaut sich 11.000 Bilder an? Niemand. Die meisten davon sehe ich nur, wenn mein Speicher wieder voll ist und ich überlege, was ich löschen kann. Von unserem Shooting haben wir am Ende rund dreißig Fotos bekommen, und die schauen wir uns tatsächlich an. Einige hängen im Vorzimmer, der Rest ist in einem Fotobuch, das die Großeltern schon zweimal ausgeborgt haben.

Die Vorbereitung: weniger planen, als man denkt

Ich hatte im Vorfeld eine ziemlich lange Liste. Welche Outfits, welche Posen, welche Hintergründe. Das meiste davon war überflüssig. Beim Vorgespräch hat uns die Fotografin gefragt, was uns wichtig ist, und wir haben gemerkt, dass es eigentlich nur zwei Dinge waren: Bilder zu dritt und Bilder, auf denen unser Sohn so aussieht, wie er eben ist. Kein Kostüm, keine gestellten Szenen.

Beim Gewand hatten wir kurz überlegt, ob wir alle in derselben Farbe kommen. Zum Glück haben wir es gelassen. Was gut funktioniert hat, waren ähnliche, ruhige Töne ohne große Muster oder Aufdrucke. Ich in einem hellen Pullover, mein Mann in Beige, der Kleine in einem einfachen Body. Auf den Bildern wirkt das stimmig, ohne dass es nach Partnerlook aussieht. Große Logos oder bunte Prints lenken dagegen sofort ab, das sieht man auf den Fotos von Freunden ganz gut.

Und noch etwas: Wir sind anfangs viel zu verkrampft gewesen. Die ersten Minuten stand ich da und habe überlegt, wo ich meine Hände hintun soll. Das legt sich, sobald das Kind irgendwas Lustiges macht. Und das macht es garantiert.

Der zweite Teil: Torte

Zum ersten Geburtstag haben wir ein Cake Smash Fotoshooting in Wien gemacht. Wir hatten uns vorgestellt das er sich begeistert auf die Torte stürzt. Hat er nicht. Die ersten zehn Minuten hat er sie nur skeptisch angeschaut und einmal vorsichtig mit dem Zeigefinger reingetippt. Dann hat er geweint, weil der Finger klebte. Die Fotografin hat einfach abgewartet, mit ihm gespielt und ihm ein bisschen Creme auf die Hand gegeben. Irgendwann ging es los, und dann richtig. Einige der schönsten Bilder sind im nachhinein aber genau aus dieser skeptischen Phase.

Also: nicht drängen. Und jemanden wählen, der mit Babys Geduld hat. Das merkt man meistens schon beim Vorgespräch, etwa daran, ob nach dem Tagesrhythmus des Kindes gefragt wird oder nur nach Datum und Uhrzeit.

Timing und Torte

Ursprünglich wollten wir den Termin um 14 Uhr, mitten im Mittagsschlaf. Zum Glück wurden wir beim Vorgespräch genau danach gefragt und haben auf den Vormittag verschoben. Ein ausgeschlafenes, leicht hungriges Kind ist das Beste, was einem bei einem Cake Smash passieren kann. Ein müdes Kind vor einer Torte eher das Gegenteil.

Bei der Torte selbst: nicht zuviel Lebensmittelfarbe. Unser Sohn hatte danach zwei Tage leicht blaue Fingernägel, was bei der Geburtstagsfeier am Wochenende für einige Nachfragen gesorgt hat. Es lohnt sich auch, bei der Konditorei nach einer Variante mit weniger Zucker zu fragen, gerade wenn das Kind vorher kaum Süßes hatte. Viele Konditoreien in Wien kennen das inzwischen und machen eigene kleine Smash-Torten, die stabil genug sind, um nicht beim ersten Kontakt in sich zusammenzufallen.

Was man einpacken sollte

Wechselgewand, und zwar mehr als man glaubt. Feuchttücher, ein Handtuch, ein Sackerl für das verklebte Outfit, und die Lieblingsjause für danach. Für die Eltern selbst auch etwas zum Wechseln, falls man beim Rausheben voller Creme ist. War bei mir so, der helle Pullover vom ersten Teil hat das nicht überlebt.

Was wir außerdem unterschätzt haben: die Heimfahrt. Ein Kind, das gerade eine halbe Torte gegessen hat und danach gebadet wurde, schläft im Auto nach drei Minuten ein. Also besser keinen weiteren Termin für denselben Tag einplanen.

Nach dem Shooting

Die Bilder kamen gut zwei Wochen später. Wir haben uns einen Abend Zeit genommen, ein Glas Wein aufgemacht und sie zusammen angeschaut. Das war ehrlich gesagt einer der schönsten Abende im ganzen ersten Jahr. Nicht weil die Fotos so perfekt waren, sondern weil wir zum ersten Mal von außen gesehen haben, wie wir als Familie aussehen.

Unser Tipp für alle, die danach vor der Auswahl sitzen: Nicht nur die Bilder nehmen, auf denen alle in die Kamera schauen. Die schönsten sind oft die, auf denen gerade irgendwas passiert. Ein Lachen, ein Blick zur Seite, ein Kind, das an den Haaren zieht.

Was bleibt

Ich fotografiere immer noch viel mit dem Handy, das wird sich nicht ändern. Aber ich weiß jetzt, dass die Bilder, die mir in zwanzig Jahren wichtig sein werden, nicht die vom Wickeltisch sind. Sondern die, auf denen wir alle drei drauf sind. Und das eine mit dem skeptischen Blick und dem Finger in der Creme

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